Abschlussfahrt

15.10.2017

Auch wenn ich ein paar Wochen keine RTF mehr gefahren war, wollte ich den Saisonabschluss in Haltern am See nicht verpassen. Der Wetterbericht versprach Sonne und über 20 Grad mitten im Oktober. So quälte ich mich dann noch einmal früh aus dem Bett um pünktlich um 8 Uhr zum Start dabei zu sein. Ich traf Renate und Peter und Gabi und Günter. Anmelden, ein bisschen quatschen und schon war es viertel nach Acht. Günter und ich machten uns bei noch sehr schattigen Temperaturen auf den Weg.

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Ich hatte mich für das Rickert Spezial entschieden, welches sich schon bei der RTF in Oberhausen Anfang September bewährt hatte.
Frisch geputzt glänzte es in der Morgensonne.

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Von Haltern führte uns der Weg nach Lipramsdorf. Auf den Feldern lag teilweise noch der Nebel.

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Es war unverkennbar Herbst. Bei Wulfen bogen wir dann nach Norden ab. Auf den Straßen war es so früh am Morgen noch ruhig. Das sollte sich später noch ändern. Hinter Klein Reken kam dann nach ca. 27 km die erste Kontrolle. Hier hatten wir Renate und Peter eingeholt. Nach kurzer Verpflegung und ein bisschen Quatschen ging es zunächst zu viert weiter.

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Die Tour war sehr ländlich geprägt und keineswegs flach. Immer wieder galt es kurze und auch mal längere Anstiege zu bewältigen. Zum Glück blieben die Steigungsprozente aber einstellig.

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In einem Bogen führte uns die Route nun nach Osten, vorbei an den Heubachwiesen bis an den Rand von Dülmen.

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Auf dem Flugplatz Borkenberge war mittlerweile auch einiges los. Wir verabschiedeten uns von Renate und Peter, die an der Streckenteilung auf der 71 km Strecke weiter fuhren. Wir erreichten dann noch vor Seppenrade die zweite Kontrolle nach knapp 60 km. Über die Hälfte der Strecke hatten wir bereits geschafft. Ich fühlte mich noch recht fit.

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Das Gröbste hatten wir allerdings immer noch nicht geschafft, da noch einige Steigungen vor uns lagen. Ich kam für meine Verhältnisse ganz gut dort hoch. So ganz schien meine Kraft doch noch nicht weg zu sein, dachte ich zu dem Zeitpunkt. Der Weg führte uns nun nach Süden, in einem Bogen um Olfen herum.

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Es ging auf und ab und so langsam spürte ich meine Muskeln. Mittlerweile war es richtig schön warm geworden und Windweste und Armlinge wanderten in den Rucksack.

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Auf bekanntem Weg ging es über den Dortmund-Ems-Kanal. Wie oft ich diese Brücke wohl schon überquert hatte?

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An der Lippe dann in der Nähe von Olfen die dritte und letzte Kontrolle. Noch mal ein Stück Apfel, eine halbe Banane und ein paar Kekse als Wegzehrung. Währenddessen glitzerte das Rickert schön in der Sonne. Und ich gab mich der Illusion hin das jetzt nur noch locker nach Haltern gerollt würde.

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Natürlich war das nicht so. Einige längere Steigungen warteten noch auf uns. Mittlerweile fühlten sich meine Beine wie Pudding an. Wir folgten zunächst der Lippe, um dann direkt am Halterner Stausee entlang zu fahren. Hier war die Hölle los. Jede Menge Autos und Motorräder verursachten einen richtig schönen Stau. Wir waren froh als uns die Route nach ein paar Kilometern wieder auf ruhige Nebenwege führte.
Nachdem wir Sythen passiert hatten ging es in einem Bogen endlich zurück nach Haltern. Am frühen Nachmittag fuhren wir glücklich ins Ziel.

Zur Belohnung gab es für mich ein alkoholfreies Radler und Nudeln mit Tomatensoße. Dann trat ich den Nachhauseweg mit dem Auto an.
Die 114 km waren doch anstrengender wie ich dachte. Da machte es sich bemerkbar das ich in den letzten Wochen so wenig km gefahren war.

Noch ein paar Daten zur Tour. Die 114 km und knapp 600 Höhenmeter fuhr ich mit einem Schnitt von 23,7 km/h.

Und wie geht es weiter? Nach der Saison ist vor der Saison. Jetzt gilt es sich auf die Wintersaison, die im Januar beginnt, vorzubereiten. Und dann geht das ganze „Spiel“ von vorne los. Mal sehen was das Jahr 2018 bringt.

Jennifer aka Sonne_Wolken

Herbstwind

14.10.2017

Heute machte ich bei Sonne und 20 Grad eine erste Probefahrt mit meinem gerade fertig gestellten RIH Mistral. Es wurde eine kleine Runde durch Phönix-West, über die Dortmunder Niere und zum Rombergpark. Den Herbstwind verursachte das Mistral selber, welches sich durchaus flott fahren ließ.

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Prägnant auf Phönix-West sind immer noch die alten Hochöfen. Nicht nur bei mir ein beliebtes Fotomotiv.

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Zum Glück ist das RIH noch nicht so rostig wie der Zaun.

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Weiter ging es zur Niere. Die 1980 gebaute Radrennstrecke wird immer noch von meinem Verein „Sturm“ Hombruch genutzt. Natürlich fuhr ich ein paar Runden ehrenhalber über die Strecke. Viel los war aber nicht.

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Dieser Zielstrich hat schon viele spannende Sprints erlebt.

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Auf dieser Bank habe ich auch schon gesessen und die Jungs beim Vereinsrennen angefeuert.

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In meiner Phantasie raste ich mit dem RIH im Tigersprung gegen imaginäre Gegnerinnen über die Ziellinie.

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Weiter fuhr ich dann zum Rombergpark. Dort wacht immer noch das Torhaus, obwohl das alte Schloss längst abgerissen wurde.

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Das RIH mag, genau wie ich, altes Gemäuer.

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Dann genossen das RIH und ich die Sonne und die herbstliche Landschaft.

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Im Rombergpark schob ich dann zu einem meiner Lieblingsplätze, dem großen Teich.

Dann ging es wieder nach Hause. Ein paar neue Fotos und erste Erkenntnisse wie sich das RIH fuhr, brachte mir die kurze Tour.
Knapp 14 km und ebenso knappe 20 km/h waren wirklich nur eine kurze Fahrt. Aber jetzt weiß ich das mein RIH einsatzbereit ist.

Jennifer aka Sonne_Wolken

RIH Mistral – Vom Winde verweht

Auf dem Teilemarkt Mitte September in Köln erstand ich ein blaues RIH Mistral. Es wurde in Venlo gebaut. Dachte ich zunächst noch an ein Baujahr Ende der 70er Jahre, kristallisierte sich dann 1981 als Baujahr heraus.

Das war der Kaufzustand:
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Auf den ersten Blick sah es noch ganz gut aus. Aber bereits vor dem Kauf fiel mir die teilweise einfache Ausstattung auf. Aber es fuhr.

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Die Rahmenrohre sind aus 531er Reynolds Rohren.

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Das Steuerkopfschild sagt das das Rad in Venlo gebaut wurde. Bei den Rädern aus Amsterdam stand das statt Holland auf dem Schild.

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Die Gabel war sehr verrostet. Ich rechnete also schon damit die lackieren zu müssen.

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Beim Auseinanderbau entdeckte ich dann auch noch einen 5cm langen Riss im Gabelschaft. Das definitive Aus für die Gabel. Rein rechnerisch lohnte sich der Neuaufbau des Rades nicht mehr. Aber ich mag den dunkel blauen Rahmen aus Holland.

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Mit ein bisschen Phantasie sah ich schon das fertige Rad vor mir.

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Aber vorher musste noch die rechte Lagerschale raus. Die wehrte sich noch. Sobald die draußen war, wurde der Rahmen gereinigt und mit Fertan und Hartwachs konserviert. Das Meiste war nur Dreck. Rost gibt es nur an einigen kleinen Stellen. Damit kann ich leben.

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Laufräder bekam ich ebenfalls in Köln. Die sind eigentlich zu neu, gefallen mir aber gut und sind fast noch neu. Shimano 105er Naben, hinten mit 7-fach Kassette. Dazu Mavic MA40 Felgen in anthrazit. Reifen sind Michelin Dynamic Classic in 25 mm mit beiger Flanke. Die Conti GP Classic passen mit ihrer dunkelbraunen Flanke nicht so gut zu dunklen Felgen. Da fehlt der Kontrast.

Eine neue verchromte Gabel habe ich mittlerweile auch:
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BLB stellt noch klassisch gemuffte und verchromte Gabeln her.

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Einzig das Bremsenmaß der Gabel stimmte leider nicht. Während der Rahmen langes Bremsmaß hat, braucht die Gabel kurzes. Aber da bekam ich im Klassikforum Hilfe. Crocodillo tauschte die Bremse mit mir . Er hatte die kurze Version und brauchte die lange. So war uns Beiden geholfen.

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Die gereinigten 600er Arabesque Schalthebel kamen wieder an den Rahmen.

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Das Gleiche gilt für die Bremshebel, die noch passende beige Hoods von Cane Creek bekamen.

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Ebenfalls in Köln erwarb ich die Arabesque Kurbel, die gereinigt wurde und andere Kettenblätter bekam (53 und 39 Zähne).

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Die einfache Altus LT Schaltung wurde ebenfalls gegen 600er Arabesque getauscht.

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Die schlechten Tourney Bremsen wurden gegen etwas zu neue 6207 Bremsen getauscht. Aber ich möchte das RIH ja auch irgendwie zum stehen kriegen.

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Sattel wurde ein brauner Selle Italia Superprofessional. Den fand ich gut erhalten ebenfalls in Köln.

Außenzüge und Lenkerband wurden weiß. Einen neuen Rennlenker bestellte ich mir auch noch. Den gab es günstig bei Sella Berolinum. Der aufpolierte SR Vorbau wurde wieder verwendet. Ebenso die aufpolierte SR Laprade Sattelstütze.
Pedale kamen weiße 1984er Look PP 65 Klickpedale dran. Bei Bedarf kann ich MKS Pedale mit Haken und Riemen montieren. Die meisten Teile die ich verwendet habe stammen aus der Zeit des Rades, also Anfang der 80er Jahre. Aber ein paar neuere Teile ließen sich leider nicht vermeiden, da ich das Rad auch fahren möchte.

Die Überarbeitung der Teile machte echt Spaß. Schon erstaunlich was man aus so alten Teilen optisch noch heraus holen kann:

[​IMG]Die Kurbel wurde gereinigt und andere Kettenblätter montiert (53 und 39).

[​IMG]Die vermackte Sattelstütze und der Vorbau wurden im Sichtbereich geschliffen und etwas poliert.

[​IMG]Schaltwerk und Umwerfer gereinigt und Schaltröllchen gefettet. Dazu ein bisschen Öl an die beweglichen Teile.

[​IMG]Der Steuersatz von Tange war neu. Da brauchte ich nichts zu machen.

[​IMG]Die Schalthebel gereinigt, einschließlich der Kleinteile.

[​IMG]Die Golden Arrow Bremshebel gereinigt und neue Hoods von Cane Creek angepasst und aufgezogen.
[​IMG]Das Innenlager von der 6400 hatte ich noch. Müsste von der Breite (113 mm) gerade noch zur Arabesque (eigentlich 115 mm) passen.

[​IMG]Die ersten Look PP65 von Mitte der 80er Jahre sind eigentlich zu neu fürs Mistral. Aber ich fahre nun mal am liebsten mit Look Pedalen.

[​IMG]Den Flaschenhalter kaufte ich ebenfalls in Köln. Hab ihn noch ein bisschen aufpoliert. Eine weiße 500 ml Tacx Flasche habe ich ebenfalls schon.

Die widerspenstige Schale bekam ich dann auch noch raus. Viel Zeit und Geduld und die alte Gabel als Verlängerung und die Lagerschale gab auf. :)Bei dem literweisen Einsatz von Rostlöser dürfte der Rahmen nie wieder rosten. :D
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[​IMG]Nach der Reinigung sah der Rahmen schon ganz gut aus. Trotzdem hatte ich natürlich alle rostigen und blanken Stellen mit Fertan behandelt.

Die letzten Teile waren mittlerweile auch angekommen. Zuletzt ein neuer Lenker und weißes Lenkerband von Velox. Das Kunststoffband von Velox hat sich mittlerweile zu meinem Lieblingslenkerband entwickelt. Es lässt sich sehr gut wickeln und fühlt sich fast wie Leder an, sehr griffig. Und die Optik mit den Lochungen ist auch typisch für die 80er Jahre.

[​IMG]Hier noch mal die Tretlagermuffe von unten. Jede Menge Zahlen und Beschriftung. Die Zugführung ist schon unter der Muffe.

Da das Wetter am Wochenende nicht so toll war, hatte ich mit dem schrauben am RIH angefangen. Nachdem ich den Rahmen noch einmal gut gereinigt und dann mit Hartwachs versiegelt hatte, fing die Komplettierung an.  Zunächst presste ich das neue Lager ein und montierte die Gabel.

[​IMG]Da die Gabel weniger Vorbiegung hat, kommt der Reifen näher an den Rahmen. Aber es passte noch mit einem 25 mm Reifen. Nach den Rädern kamen Lenker und Vorbau dran. Passte. Für die Sattelstütze „lieh“ ich mir die Klemmung von meinem Giant, da ja eines der original Gussteile leider gebrochen ist.  Aber da habe ich Aussicht auf ein Ersatzteil. Dann bekommt die andere Sattelstütze die Klemmung zurück.

Die Hoods für die Bremshebel sind unten etwas zu kurz. Das sah ich erst nach der Montage am Lenker. Mal sehen wie ich das kaschieren kann.
[​IMG]Innenlager, Kurbel und Pedale kamen als nächstes. Dann die Schalthebel, Schaltwerk und Umwerfer. Alles Shimano Arabesque. Die Bremsen sind aus einer späteren 600er Serie (6207) und die Bremshebel von der Golden Arrow. Eine erste Sitzprobe verlief schon positiv.
Optisch gefällt mir das Rad schon sehr gut. Einige Teile fehlen noch. Weiße Züge, weißes Lenkerband, eine weiße Luftpumpe und eine weiße Trinkflasche werden weitere Akzente setzen. Dann fehlt noch die Kette und alles einstellen.

Das Rad wurde Sonntag fast fertig. Hier schon mal ein Eindruck.
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Was ist noch zu tun?
– Bremsen einstellen
– Schaltung einstellen
– Kette kürzen

Dann bereichert ein weiterer Klassiker meinen Fuhrpark. Ich freue mich schon auf die ersten Ausfahrten.

Jennifer aka Sonne_Wolken

Münster-Tour

03.10.2017

Am Tag der deutschen Einheit fuhr ich gegen 10 Uhr mit Tom und Bernd eine schöne Radtour zum Münsterland Giro nach Münster. Über kleine Landstraßen und asphaltierte Feldwege ging es von Süd-Lünen nach Norden.

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Ich wählte mein Rickert Spezial für die Fahrt. Tom nahm sein fast 30 Jahre altes Alu-Mountainbike mit Straßenreifen und Bernd fuhr einen modernen mattschwarzen Renner.

Das Wetter war typisch herbstlich. 12 bis 15 Grad mit einem Mix aus Sonne und Wolken. Die Straßen waren teilweise noch nass und Nachmittags gab es den einen oder anderen kurzen Schauer. Mit Gegenwind hatten wir auch zwischendurch zu kämpfen. Aber insgesamt war das Wetter nicht so schlecht wie befürchtet.

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Das Tempo war zunächst noch moderat. Wir überquerten den Datteln-Hamm-Kanal und die Seseke. Dann ging es entlang der B 54 parallel zur Lippe bis Werne. Werne passierten wir westlich und erreichten schließlich Herbern. Mittlerweile war das Tempo angezogen worden, aber ich konnte noch gut mithalten.

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Immer wieder kamen wir an alten Münsterländer Gehöften vorbei. Der Straßenverkehr hielt sich sehr in Grenzen.

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Ab und zu kam sogar die Sonne raus und es wurde direkt etwas wärmer.

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Östlich von Davensberg führte uns der Weg durch den Davert. Hier war es dann auch nicht ganz flach. Aber starke Steigungen suchten wir vergebens. Nach Amelsbüren machten wir einen kleinen Schlenker nach Westen.

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Vorher mussten wir noch über den Dortmund-Ems-Kanal.

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Auch auf dem Kanal war es feiertäglich ruhig. Über Mecklenbeck kamen wir dann nach Münster rein. Es ging vorbei am Aasee und dann Richtung Innenstadt. Der große Platz vor dem Schloss war unser Ziel, das wir am Mittag erreichten. Das kostenlose alkoholfreie Bier einer Brauerei nahmen wir natürlich dankend an. 55 km hatten wir immerhin schon in den Beinen bei einem Schnitt von 23,5 km/h. Auch der Hunger meldete sich zu Wort. Ich begnügte mich mit einer doppelten Pommes. Ob das ausreichte?

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Auf der Bühne wurden schon die ersten Plätze der kurzen Jedermannstrecken geehrt. Aber so richtig interessierte uns das nicht.
Da ich schon mit meiner Pommes fertig war, ging ich schon mal zum Leezenkultur Stand vor.

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Auf einer Aktionsfläche tobten sich die Radtrialisten aus. Toll was die so konnten. Aber für mich war das nichts. Ich fahre einfach nur Rad.

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Neben den üblichen Ständen mit Rädern, Teilen und Klamotten, fiel mir dieses Lastenrad auf. Da konnte man schon ordentlich was transportieren. Für Kurzstrecke im Flachen sicher eine gute und umweltfreundliche Wahl. Dann erreichte ich den Stand des Leezenkultur eV und traf direkt auf einige bekannte Gesichter. Einen etwas ausführlicheren Bericht über die Zeit in Münster habe ich bereits hier niedergeschrieben: https://sonnewolken.wordpress.com/2017/10/04/leetzenkultur-beim-muensterland-giro/

Jetzt ein kleiner Zeitsprung. Am späten Nachmittag, so gegen 17 Uhr, machten wir uns mit den Rädern auf den Rückweg. Es ging über den gleichen Weg zurück. Bernd gab ordentlich Gas, da er und Tom keine Beleuchtung dabei hatten. Es wurde ja jetzt schon deutlich früher dunkel. Leider konnte ich nach der stundenlangen Pause das Tempo nicht mehr mitgehen. Keine Ahnung woran es lag, aber meine Beine wollten einfach nicht mehr.

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Mir zuliebe fuhren die Beiden extra langsamer, aber selbst 22 km/h im Schnitt erwies sich als zu schnell für mich. Ich forderte sie auf ohne mich weiter zu fahren. Ich hatte ja immerhin mein Navi und Beleuchtung dabei. Doch sie wollten zunächst nicht. Ich versuchte mit ihnen mitzuhalten und fuhr meine Beine immer „saurer“. So hatte das echt keinen Zweck, zumal ich auch ein schlechtes Gewissen hatte sie aufzuhalten.

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Schließlich konnte ich die Beiden doch überreden ihren Weg alleine fortzusetzen. Ich programmierte mein Navi auf Lünen-Süd, wo mein Auto stand. Jetzt konnte ich einfach mein Tempo fahren. Mit 17 bis 20 km/h kam ich mir wie eine Rentnerin vor.

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An einer der vielen kleinen Kapellen machte ich einen kurzen Stop um nochmal etwas Kraft zu tanken. Ich hatte bereits das Licht eingeschaltet. Mein Navi zeigte mir zuverlässig den Weg. Kurz vor Lünen wich es dann aber auf einen merkwürdigen Weg über die Lippe aus und wollte partout durch ein verschlossenes privates Grundstück fahren. Ich umfuhr es einfach und das Navi lotste mich dann wieder richtig. Schließlich erreichte ich den Preußenhafen am Kanal. Jetzt war ich fast wieder zurück. Um 20 Uhr war ich dann wieder am Auto, reinigte mich und das Fahrrad und verstaute alles. Gerade als ich losfuhr kam Tom, der in der Nähe wohnte, vorbei um nach mir zu schauen. Wir quatschten noch kurz und dann ging es nach Hause. Zurück waren es 66 km mit einem Schnitt von knapp 20 km/h. Insgesamt fuhr ich 111 km mit einem Schnitt von 21,4 km/h und ca. 400 Höhenmeter. Der Corso auf der Rennstrecke ist da nicht mit drin, da ich das Navi abgeschaltet hatte. Das waren mit Rückweg eh höchstens 5 km. Das war eine schöne Tour, auch wenn ich auf dem Rückweg geschwächelt habe. Anscheinend bin ich insgesamt in letzter Zeit zu wenig Kilometer gefahren. Ich baue eine gute Form nur sehr langsam auf, aber schnell wieder ab. Dem Spaß am Rad fahren tut das aber keinen Abbruch.

Jennifer aka Sonne_Wolken

Leezenkultur beim Münsterland Giro

03.10.2017

Kurz zur Erklärung: Leezen sind in Münster Fahrräder. Es gibt dort einen Verein der sich um den Erhalt alter Räder kümmert und sich auch sonst um viel Radkultur in der Stadt des Radfahrens bemüht, Leezenkultur eV. Von dort gab es einen Aufruf an Klassikerfahrer/innen bei einem Corso über die Rennstrecke des Münsterland Giro mitzumachen.

Und so waren Tom und ich Dienstag zusammen mit Bernd mit dem Rad in Münster. Nachdem wir uns gestärkt hatten ging es zum Stand der Leezenkultur. Hier mal ein paar Impressionen vom Stand:
[​IMG]Schön erhaltene oder restaurierte Alltagsräder aus früheren Jahrzehnten. Auch in den dreißiger bis fünfziger Jahren gab es schon gute Räder.
Und ein Rad konnte man sich eher leisten als ein Mopped oder gar ein Automobil.

[​IMG]Beeindruckt hat mich an diesem Rad von 1910 die Viergang Fichtel&Sachs Nabenschaltung. War mir bisher nicht bewusst das es die so früh schon gab.

[​IMG]Bei französischen Randonneuren schlägt mein Herz dann sowieso höher. Hier ein Exemplar aus den fünfziger Jahren.

[​IMG]An die Kinder wurde 1960 scheinbar auch schon gedacht. Aber nur scheinbar. Wie soll ein Kind mit so einem breiten Lenker klar kommen und wie soll es mit kleinen Händen an die Bremsgriffe kommen? Erst dachte ich das wäre eine Art Kompaktrad für Erwachsene.

[​IMG]Typischer Halbrenner von Anfang der achtziger Jahre. Viele von uns Älteren haben sicher früher so ein Rad gehabt. Die Shimano Positron hat sich aber zum Glück nicht durchgesetzt.
[​IMG]Jan Janssen war ein bekannter niederländischer Rennfahrer, der schließlich seine eigene Marke hatte. So ein Jan Janssen würde mich auch noch reizen.

[​IMG]Noch ein altes Kinderrennrad. Das wirkt für mich schon stimmiger.

Viele bekannte Gesichter trafen wir am Stand. Natürlich fehlte der Rickert-Rentner genau so wenig wie einige Andere, die ich von den Klassikerausfahrten in Münster kannte.

Schließlich versammelten sich die Fahrer alter Rennräder und Alltagsräder um auf der Rennstrecke im Corso bis zum Prinzipalmarkt zu fahren. Tom und ich waren auch dabei. Ein bisschen Unterhaltung für die Zuschauer. Von der Fahrt selber habe ich leider keine Fotos, da ich in enger Gruppenfahrt beide Hände am Lenker brauchte. Auf dem Zielstrich stoppten wir und einige unserer Räder wurden von einem Moderator vorgestellt. Mein blaues Rickert war auch dabei. Überhaupt war Rickert gut vertreten. Drei Rickerts und ein von Rickert gelötetes Le Taureau befanden sich in der Gruppe. Nachdem wir die Strecke verließen gelang es mir dann doch noch ein paar Aufnahmen zu machen. Die Gruppe war bunt gemischt. Von reinrassigen Rennern, über Randonneure, ein altes MTB (von Tom), bis hin zu Alltagsrädern und einem Wehrmachtrad mit Sirene war alles vertreten.
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Die Alltagsräder waren überwiegend aus den 30er bis 50er Jahren.
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So ging es denn an dem Bischofssitz vorbei zurück zum Stand der Leezenkultur.
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Sogar an dem Antiquariat welches in dem Fernsehkrimi „Wilsberg“ eine große Rolle spielt, kamen wir vorbei.
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Hinterher wurden alle Räder nochmal aufgestellt und Gruppenfotos gemacht.
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[​IMG]Noch ein schöner französischer Randonneur, der auch am Corso beteiligt war.

Ach ja, und dann war da ja auch noch das Profirennen. Wir standen direkt in der Kurve hinter der Zielgeraden. Als die Profis das erste Mal hier durch kamen war das Tempo schon beeindruckend. Aber das Feld war noch zusammen. Es sah alles nach einer Sprintankunft aus.
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Letzte Runde. Die Sprinterteams zogen vorne das Tempo merklich an und das Feld riss auseinander.
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Nach dem Zielsprint war die Luft raus und man sah in ziemlich fertige Gesichter. Zunächst stand nicht fest wer überhaupt gewonnen hatte. Ein echtes Fotofinish. Hinterher erfuhr ich das Sam Bennet vom deutschen Team Bora-hansgrohe ganz knapp gewonnen hatte. Phil Bauhaus wurde Zweiter und Andre Greipel Dritter. Marcel Kittel kam auf Platz vier.
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Insgesamt war es ein toller und ereignisreicher Tag in Münster mit vielen netten Menschen. Gegen 17 Uhr machten wir uns dann auf den Heimweg. Über die Fahrt werde ich noch einen extra Bericht schreiben. Ich wollte einfach nur schon mal meine Eindrücke von Münster los werden.

Jennifer aka Sonne_Wolken

Eulentour

24.09.2017

Sonntagmorgen um 5 Uhr klingelte der Wecker. Ich stand auf, frühstückte und wollte mich gerade für die RTF in Essen-Kettwig fertig machen, als ich so für mich dachte: Warum eigentlich? Meine Motivation RTF und Brevet zu fahren hatte seit dem Tod meines besten Freundes sehr gelitten. Zu sehr beschäftigte mich das noch und ich dachte an all die schönen Momente die wir zusammen hatten. Unsere Touren in Sauerland, Eifel, Hunsrück, Schwarzwald und Alpen in den guten Zeiten. Die flacheren Touren in NRW, als wir älter wurden und die Kräfte nachließen. Bei ihm mehr als bei mir. Er dachte schon über ein E-Bike nach um mit mir mitzuhalten. Dazu kam es dann leider nicht mehr.

Statt RTF erwog ich dann eine Fahrt nach Mönchengladbach zum Klassikertreffen. Schnell war ein Track erstellt und aufs Navi geladen. Nachdem ich wählen war, machte ich mich fertig. Auf dem Weg vors Haus kam mir die Idee dann doch nicht so toll vor und ich beschloss spontan Richtung Osten zu fahren. Eine Tour die Holger gefallen hätte.

Von Phönix-West aus fuhr ich nach 10 Uhr auf dem Emscherradweg zum Phönixsee. Es war trüb, diesig und etwas kühl. Am Phönixsee war noch nicht viel los. Das würde sich am Nachmittag bei Sonne sicher ändern. Weiter ging es nach Alt-Schüren und Aplerbeck nach Sölden. Der Schotterweg des Emscherweges treibt sicher so manchem Rennradfahrer die Tränen in die Augen. Doch ich war da relativ schmerzfrei. Trotzdem müsste ich für die Rickert Gedenkfahrt wohl eine andere Strecke suchen.

[​IMG] Am Rande von Dortmund blühten die Rapsfelder und verströmten ihren Duft.

[​IMG] Auf der Schäferkampstraße überquerte ich dann die Bahnlinie und fuhr Richtung Holzwickede.

[​IMG] Zwischenstation war dann der Emscherquellhof. Auch hier war nichts los.

[​IMG] Dann führte mich der Weg nach Holzwickede. Unterwegs dann mitten zwischen den Feldern dieses verlassene Haus. Einsam und verlassen lag es im Herbstgrau. Es symbolisierte gut wie ich mich gerade fühlte, grau und leer.

[​IMG] Kurvenreich mäanderte dann die Talstraße durchs Linscheider Tal.

[​IMG] Dann war ich wieder auf meinem geliebten Haarstrang unterwegs. Die ersten Stationen waren Altendorf und Dellwig, bevor dann die Steigung hoch nach Strickherdicke kam.

[​IMG] Nach einem nördlichen Bogen führte mich der Weg nach Ardey. Von hier war es nicht mehr weit nach Fröndenberg. Dort bog ich links auf die Eulenstraße ab. Eine Weile war ich die nicht mehr gefahren und gespannt ob ich die über 1 km lange Steigung auch mit dem Rickert mit vorne 39 und hinten 28 Zähnen schaffte. Langsam, aber kontinuierlich kurbelte ich mich nach oben. Das restaurierte Eulendenkmal stand wieder an seinem Platz. Zeit für eine kurze Pause. Ein paar Fotos, etwas Energiegel und Wasser sorgten für neue Kräfte.

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Irgendwie erinnerten mich die renovierten Eulen aber an den BVB. Woher das wohl kam?

[​IMG] Zwei Klassiker: Das Rickert Spezial und die berühmte Eule. An schönen Tagen geben sich hier die Radsportler in Scharen die Ehre.
Nicht nur auf den Alpenpässen kann man dem Radsport gedenken.

In Wellen ging es dann weiter durch den Wald. Am Ende des Waldes fuhr ich dann links und war in Frömern. Wenn ich schon mal in der Gegend war, wollte ich wenigstens auf den Friedhof. Da ich von einem anderen Ende nach Frömern herein fuhr als gewohnt, hatte ich etwas Mühe den Friedhof zu finden. Aber ich fand einen ortskundigen Passanten der mir Auskunft gab. Als ich mit meinem Rad vor Hugo Rickerts Grab stand, ertönte laute Rockmusik von dem Gemeindezentrum nebenan. Friedhofsruhe um 12:30 Uhr war anders. Trotzdem zeigte ich dem alten Rickert was ich aus seinem Rad gemacht hatte. Ich glaube es gefiel ihm. Als ich ihm die Lösung mit dem polierten Alu-Spacer statt dem grauen Gussteil präsentierte, meinte ich trotz der lauten Musik ein leises „Da hätte ich aber auch drauf kommen können“ zu hören. Aber vielleicht irre ich mich auch.
Nach einer kurzen Andacht machte ich mich wieder auf den Weg.

[​IMG] Es war wärmer und auch sonniger geworden. Bei Kessebüren führte mich meine Route dann wieder Richtung Westen. Nach Billmerich ging es dann nach Holzwickede.

[​IMG] Schafe bei ihrer Sonntagsarbeit: Rasen mähen. Die ließen sich auch nicht durch ein schönes Rickert stören. Radbanausen!

Von Holzwickede ging es dann bergab nach Aplerbeck und am Rande der Aplerbecker Mark nach Berghofen. Über Benninghofen und Wellinghofen erreichte ich wieder den Ausgangspunkt in Hörde.

Das Rickert Spezial schlug sich wieder gut, selbst an den Steigungen. Solange es nicht richtig steil wird, ist das Rad meine erste Wahl.

65 km und gut 600 Höhenmeter fuhr ich mit lediglich 19 km/h im Schnitt. Es ging mir nicht um sportliche Leistungen, sondern eine schöne Tour um meinen Gedanken und meiner Trauer nachzuhängen. Ich stellte mir vor wie mich Holger mit einem Pedelec begleitete.

Jennifer aka Sonne_Wolken