Fünf Meter unter dem Meer

18.05.2018

Am Freitag wollte ich die erste große Tour fahren. Von Workum sollte es bis Lelystad gehen und dann über den Damm nach Enkhuizen. Danach mit der Fähre rüber nach Stavoren und dann wieder mit dem Rad zurück nach Workum. So weit der Plan.

 

Doch zunächst musste ich erst einmal an dem Wachdienst des Campingplatzes vorbei. Nach ausführlicher Begutachtung von meinem Mücke Renner wurde meine Ausreise genehmigt. Von Hindeloopen ging es nach Molkwerum.

 

Manche Klassikerfahrer hatten schon öfters Probleme mit geschlossenen Bahnübergängen, bei mir waren es hochgeklappte Brücken.

 

Andererseits war es wohl einfacher die Brücke hochzuklappen als jedes Mal den Mast der Segelschiffe abzubauen.

 

Nette kleine Orte wie Hemelum wurden durchquert.

 

Freiheit ist ein wichtiges Gut. Das hatten auch die Niederländer völlig richtig erkannt.

 

Unterwegs sah ich dann auch einige Klassiker auf dem Wasser. So manches Mal hätte ich vielleicht meine Fahrt auf dem Mücke gerne für ein paar Stunden gegen einen Segeltörn getauscht. Aber nein, einen ordentlichen Wind gab es auch an Land. Was sollte ich da also vermissen?

 

Dafür entschädigte mich der Weg nach Balk mit viel Grün und jede Menge Blütenpracht.

 

Balk selber durchquerte ich dann recht zügig. Es war noch zu früh für eine Pause.

 

Auf dem Weg nach Lemmer traf ich in der Nähe von Sloten dann auf einen Velosolex Verleih. Das skurrile französische Mofa erfreute sich auch in den Niederlanden großer Beliebtheit.

 

Dann kam Lemmer in Sicht. Ab dem Hafen wollte ich mich immer direkt am Deich halten.

 

Der Weg direkt am IJsselmeer schien endlos bis zum Horizont zu verlaufen.

 

Nach über 20 entspannten km entlang des IJsselmeeres erreichte ich Urk. Früher eine Insel, aber durch die Poldergewinnung gehörte es jetzt zum Festland.

 

Hinter Urk erreichte ich dann relativ flott die Brücke über das Ketelmeer. Hier ging es ordentlich gegen den Wind. Lelystad konnte nicht mehr weit sein. Ich verließ den Küstenweg und hielt über das Knotenpunktsystem direkt auf die Stadt zu.

 

Auch wenn die dunklen Wolken nichts Gutes verhießen, blieb es trocken. Mit 15 Grad war es wieder mäßig warm. Der ein oder andere Schotterweg war noch gut zu befahren.

 

Ein paar weglagernde Kühe machten sich dann doch vom Acker, als ich näher kam. Dafür waren die Hinterlassenschaften noch frisch und ich hielt mir die Nase zu. Feige Bande, mit solchen biologischen Tricks zu arbeiten. Schließlich erreichte ich den Rand von Lelystad und fuhr Richtung Hafen. Dort sollte die Auffahrt auf den Damm nach Enkhuizen sein. Als ich den erreichte empfingen mich jede Menge große Schilder. Leider war mein Niederländisch gut genug um die Schilder zu verstehen. Bis zum 1. Juli war der Damm für Radfahrer wegen Bauarbeiten gesperrt. Wer statt des Radweges die Straße über den Damm befuhr wurde mit 140 € bestraft. Und da ich die Humorlosigkeit der Niederländer bei solchen Sachen kannte, brauchte ich einen neuen Plan. Jetzt hatte ich bereits 100 km zurück gelegt und kam nicht rüber nach Enkhuizen. Von Lelystad aus gab es auch keine Fähre. Dammned. Ich war total geknickt. Was sollte ich machen? Wieder zurück fahren? Noch mal 100 km? Es war schon früher Nachmittag und ich hatte Hunger. So fuhr ich weiter Richtung Hafen auf der Suche nach etwas essbarem.

 

Da stieß ich auf die Batavia, bzw. deren Nachbau. Es sank 1629 direkt auf seiner ersten Reise vor Australien. Den Nachbau konnte man besichtigen, doch mich trieb der Hunger weiter.

 

Doch das was ich suchte, eine normale Imbissbude, fand ich leider nicht.

 

Auf der Bataviawerft war bereits das nächste „alte“ Schiff in Bau.

 

Ich fuhr weiter Richtung Hafen. Hier lagen auch moderne Schiffe vor Anker.

 

Auch das ein oder andere alte, oder nachgebaute Schiff war hier noch zu finden. Wenn schon die Stadt nicht alt war, waren es wenigstens die Schiffe. Lelystad wurde erst 1967 auf Polderland gegründet und liegt fünf Meter unter der Meeresoberfläche.

 

Leider kein Imbiss. Also versuchte ich über die Radwege in die City zu kommen. Leider war die Beschilderung eher unzureichend, untypisch für die Niederlande. Und da alle Häuser und Viertel der Retortenstadt relativ gleich aussahen, war eine Orientierung mehr als schwierig. Doch nach einigem rumirren fand ich dann die Bahnlinie und folgte ihr zum Bahnhof. Und dort war dann auch die bemerkenswert hässliche Innenstadt. Da hatten sich unfähige Architekten und Städteplaner der 60er bis 90er Jahre hemmungslos ausgetobt. Ich weigerte mich von dem Desaster ein Fotos zu machen. Dafür fand ich eine Bäckerei und stärkte mich mit belegten Brötchen und einem kalten Getränk. Anschließend schob ich rüber zum Bahnhof. Leider kam ich weder mit den Fahrkartenautomaten zurecht, noch fand ich Fahrpläne. Doch es gab einen besetzten Infoschalter. Dort schilderte ich mein Problem auf englisch und man half mir sofort. Leider gab es keine direkte Verbindung nach Workum oder Sneek. Ich musste von Lelystad nach Zwolle (östlich von Lelystad). Dort musste ich in einen anderen Zug umsteigen der mich nach Leeuwarden (ganz im Norden) brachte. Dort fuhr der dritte Zug über Sneek direkt nach Workum (südwestlich von Leeuwarden) Die ganze Geschichte sollte 2,5 Stunden dauern und über 30 € kosten. Aber ich hatte auch keine Wahl. Die Rückfahrt mit dem Rad wäre mir an diesem Tag einfach zu lang. Man druckte mir sogar noch einen detaillierten Plan mit den Zügen, Zeiten und Bahnsteigen aus und brachte mich zum richtigen Startzug. Vielen Dank noch mal dafür. Von so viel Freundlichkeit und Engagement bei der Bahn träumen wir in Deutschland nur. Unnötig zu erwähnen das die Züge alle sauber und unbeschädigt waren. Kurz vor Zwolle kam dann ein Schaffner der mir erklärte das ich zu der Zeit eigentlich gar nicht das Rad im Zug mitnehmen durfte. Und ich wunderte mich schon warum die Niederländer alle mit Klappräder in den Zug stiegen. Die galten dann wohl als Handgepäck. Als ich dem Schaffner auf Englisch mein Problem erzählte, drückte er ein Auge zu und ich durfte weiter fahren. In den anderen Zügen gab es dann keine Probleme mehr. Vom Bahnhof in Workum fuhr ich dann am frühen Abend zum Campingplatz zurück. Dort traf dann bald Thomas mit Familie, Rädern und Wohnwagen ein. Trotz des gesperrten Damms war es ein schöner Urlaubstag mit ein bisschen Zivilisationsabenteuer. 112 km kamen immerhin zusammen. Der Wetterbericht versprach für den nächsten Tag mehr Wärme und etwas Sonne. Ich war gespannt.

 

Jennifer aka Sonne_Wolken

 

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