Tour de Niederlande

24.03.2018

Am vierten Samstag im März fand der 300 km Brevet in Twisteden statt. Das Wetter versprach endlich mehr frühlingshaft zu werden. Temperaturen zwischen 4 Grad und ca. 12 Grad und Mittags sogar etwas Sonne hörten sich nach den kalten Tagen bisher jedenfalls gut an. Der Wind sollte auch nicht so stark werden. Teilweise war leichter Rückenwind angesagt. Der Start war um 8 Uhr avisiert. Von Dortmund aus machte ich mich rechtzeitig auf dem Weg, nachdem ich das Auto beladen hatte. Vor Ort traf ich dann etliche bekannte Gesichter, unter anderem Ralf, Harald und Ingo. Nach der Anmeldung trank ich noch einen Kaffee und quatsche etwas. Von 130 gemeldeten, starteten 113 Teilnehmer. Es gab zwei Abbrüche. Die letzten Teilnehmer kamen wohl um 2:30 Uhr ins Ziel (Zielschluss war 4 Uhr)

 

Vor dem Start gab es dann noch ein paar Hinweise von Michael.

 

Dann rollten wir zum Startplatz, wo wir in vier Gruppen aufgeteilt wurden. Ich fuhr zusammen mit Ralf und Harald in der dritten Gruppe. Gegen 8:10 Uhr legten wir los.

 

Das Tempo wuchs rasch an. Mit Harald hielt ich mich relativ weit vorne in der größeren Gruppe auf.

 

Teilweise gingen Harald und ich für einige Zeit nach vorne und bildeten eine Doppelspitze. Der Schnitt lag zwischen 26 und 27 km/h. Wir versuchten das Tempo konstant zu halten. Wenn wir aus der Führung gingen, zog das Tempo jedes Mal an, so das wir uns im Windschatten kaum erholen konnten. So versuchten wir möglichst oft in Führung zu gehen, um das Tempo im erträglichen Rahmen zu halten. Schließlich lagen über 300 km vor uns.

 

Die Route führte uns zunächst Richtung Goch, dann weiter nach Kalkar und Bedburg-Hau. Nach der Rheinüberquerung erreichten wir Emmerich. Bei Stokkum wechselten wir dann über die Grenze in die Niederlande. Bis kurz vor dem Ziel ging es ab hier nur noch über niederländisches Gebiet. Nächste Stationen waren Beek und Loerbeek. In Doesburg überquerten wir dann die Ijssel.

 

Danach wurde es dann hügelig und wir fuhren am östlichen Rand vom Nationalpark Veluwezoom entlang. An einer längeren Steigung verlor ich die Gruppe und fuhr zunächst alleine weiter. Ein paar Kilometer später war ich dann wieder dran. Wir passierten Apeldoorn und fuhren weiter Richtung Norden. Nach knapp 100 km ließ ich dann endgültig abreißen. Mir war klar das ich das Tempo in der Gruppe nicht dauerhaft halten konnte. Der Schnitt war zu der Zeit bei knapp 27 km/h.

 

Als ich dann alleine unterwegs war konnte ich auch mal für ein Foto anhalten und die schöne Heidelandschaft genießen, auch wenn noch das winterliche Grau vorherrschend war.

 

Nach 110 km fand ich dann einen Rastplatz in der Sonne und beschloss eine kurze Essenspause zu machen. Einige Teilnehmer fuhren an mir vorbei, die ich später noch mal wiedersehen sollte.

 

Frisch gestärkt fuhr ich auf einige einzelne Fahrer und kleine Gruppen auf. In Gesellschaft fuhr es sich doch besser. Die Bahnschranke wollte sich einfach nicht öffnen und einige wurden schon ungeduldig. Zum Glück wagten sie sich aber doch nicht rüber, denn kurz darauf brauste noch ein zweiter Zug durch. Und was sind schon ein paar Minuten bei 20 Stunden Zeit?

 

Nach über 130 km in Elburg sah ich dann fast alle Gruppen wieder. Doch erst am Ortsausgang ging mir auf das hier die freie Kontrolle war. Das hätte ich vorher noch mal genauer nachlesen müssen.

 

Der alte Hafen bot etwas maritimes Flair. Das Veluwemeer (kein Meer sondern ein großer See) war nicht weit.

 

Verzweifelt versuchte ich an einer Tankstelle am Ortsausgang und in mehreren Restaurants/Imbissen einen Stempel zu bekommen. Doch leider hatte ich kein Erfolg. Als Ralf gerade vorbei kam, schlug er vor mich vor dem Ortsausgangsschild zu fotografieren, als Beweis das ich hier war. Gute Idee, Ralf!

 

Zusammen fuhren wir weiter. Ralf schwächelte etwas mental und ich versuchte ihm Mut zu machen. Das Wetter war toll und die restlichen Kilometer würden wir auch noch schaffen. Wir hatten etwas Gegenwind, aber der war fast harmlos. Am Ortsausgang gab es dann noch einen Yachthafen. Da schlug mein Herz als alte Seglerin schon höher.

 

Dann fuhren wir entlang des Veluwemeer. Bisher war ich hier nur mit dem Auto vorbei gefahren, wenn ich unterwegs nach Lelystad am Ijsselmeer war.

 

Teilweise ging es ziemlich winklig über schmale Betonplatten durch einen kleinen Wald. Da merkte ich mal wieder das mein Mücke Randonneur nicht sehr wendig war. Aber das Rad ist halt auch eher für lange, gerade Strecken mit leichtem Gepäck gedacht.

 

Kurz vor Nijkerk überholte uns dann ein Velomobil und ich hatte die Gelegenheit an einer Steigung mal etwas ran zufahren um ein Foto zu machen. Mich faszinierten diese effektiven Fahrmaschinen sehr. Die schnellste Art sich aus reiner Muskelkraft fortzubewegen.

 

In Nijkerk war dann nach nur etwas über 180 km bereits die zweite freie Kontrolle. Mit Ralf und einem anderen Fahrer bekamen wir einen Stempel in einem Restaurant. Als wir der Strecke weiter fuhren sahen wir vor einem Imbiss ein paar Rennräder stehen. Wir hielten an und machten eine Pause. Für mich gab es Fritten und Kaassoufflé, dazu eine Dose Cola. Nichts für die schlanke Linie, aber wir brauchten Energie für die letzten 130 km. Nach und nach trudelten weitere Gruppen ein und der Imbiss füllte sich. Die freuten sich natürlich über so viel Kundschaft. Vorher war es fast leer dort.

 

Nach dem weiter fahren bildete sich eine kleine Gruppe, in der unter anderem auch Ingo mit seinem fast 40 Jahre alten Raleigh dabei war. die Gruppe blieb eine ganze Weile zusammen.

 

Die Sonne ging so langsam unter. Aber wir hatten noch bis nach 19 Uhr ein wenig Tageslicht. Ich war guter Dinge und fand das wir sehr gut in der Zeit lagen. Aber Ralf war mental doch angeschlagen und zweifelte am Erfolg des Brevets. Ich rechnete ihm vor wieviel Zeit uns noch bleib, selbst wenn wir etwas Tempo raus nahmen. Bei 210 km hatte ich immer noch einen Schnitt von 25 km/h.

 

Wir fuhren durch Barneveld und Veenendal, überquerten den Nederrijn und kurz drauf die Waal. Wasser war in den Niederlanden nicht nur reichlich vorhanden, sondern spielte für die Wirtschaft auch eine große Rolle. Kurz vor Nijmegen bogen wir in Beuningen nach Süden ab. Dann fuhren wir auch noch über die Maas.

 

Noch ein letztes Foto bevor es zu dunkel wurde. Ralf hatte dann immer größere Probleme das Tempo der Gruppe zu halten. Ich schlug ihm vor die Gruppe fahren zu lassen und langsamer zu fahren. Auch wollten wir noch eine Pause machen. Selbst dann wären wir vor Mitternacht zurück. Ralf meinte ich sollte ruhig mit der Gruppe fahren. Aber er war so schlecht drauf das ich ihn nicht alleine lassen wollte. Und so bleib ich bei ihm und wir fuhren zu zweit weiter. Irgendwann sahen wir in einer Stadt einen beleuchteten Supermarkt. Es war kurz vor 21 Uhr und wir hatten noch ca. 50 km vor uns. Ralf freute sich schon auf etwas essbares, aber der Supermarkt war schon geschlossen. entmutigt schimpfte er vor sich hin. Ich gab ihm meine halbvolle Colaflasche und er aß noch einen Riegel.  Wir fuhren weiter und ich sah an einer Tankstelle einen Automaten mit Getränken und Snacks. Ralf war so glücklich das er den Automaten umarmte. Eine Cola und ein Apfelkuchen weckte neue Lebensgeister in ihm. Weitere Fahrer kamen vorbei und nutzten den Automaten, der zum Glück noch gut gefüllt war. Ich genehmigte mir auch noch eine Cola. So ging es mit frischen Kräften weiter. In Cujik kamen wir an der Kontrolle von dem 200er Brevet, ein paar Wochen vorher, vorbei. Ab hier war der Weg ins Ziel identisch. Wir bekamen noch einen Mitfahrer mit Naviproblemen. 25 km vor dem Ziel klinkte ich mich aus, weil ich mal dringen musste. Ich hielt schon eine ganze Weile ein. Nach dem ich mich hinter einen Baum hockte und es mir danach wieder deutlich besser ging, waren meine Mitfahrer weg. Ich trank noch einen Schluck Cola und fuhr die letzten 25 km alleine ins Ziel. Dort kam ich nach 315 km um genau 23:30 Uhr an, 4,5 Stunden vor Zielschluss. Mein Schnitt betrug immer noch 24 km/h.

 

Nach der Abmeldung gab es wieder leckere Tomatensuppe und Kaffee. Ralf war ca. 15 Minuten vor mir ins Ziel gekommen. Wir landeten im Mittelfeld. Für mich war der Brevet die Bestätigung das es mit meiner Form weiter aufwärts ging. Ein guter Weg um dann auch die längeren Strecken mit 400 und 600 km gut zu überstehen. Nach einer längeren Pause machten wir uns auf den Heimweg. Da ich eh an Gelsenkirchen vorbei kam, nahm ich Ralf mit und setzte ihn zu Hause ab. Auf der Rückfahrt hatte ich dann aber doch mit der Müdigkeit zu kämpfen. Durch die Zeitumstellung verlor ich dann noch eine Stunde, so das ich erst nach 4 Uhr ins Bett kam. Sonntag spürte ich dann die 315 km doch deutlich in den Knochen. Also war ein gemütlicher Sonntag angesagt. An meiner Regeneration musste ich noch arbeiten. Im August ist ja auch noch ein 1.000er geplant.

 

Jennifer aka Sonne_Wolken

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