BRT 2017 in Hannover, Teil 1



21.07 bis 25.07.

Im Juli fand in Hannover das Bundesradsporttreffen 2017 statt. Für mich war es das erste Mal bei einem BRT. Da ich Urlaub bekam blieb ich für 10 Tage dort. Untergekommen war ich auf einem Campingplatz am Arnumer See, etwas südlich von Hannover. Nach dem Aufbau meines 10 qm Zeltes machte ich mich bei Sonne und 25 Grad mit meinem Peugeot Cologne von 1989 auf den Weg nach Hannover. Knapp 8 km war es bis zum Zentrum des Landessportbundes Niedersachsen in Linden-Süd. Dort wurde bereits fleißig aufgebaut und ich konnte auch kurz noch helfen, bevor es zurück zum Zeltplatz ging.

Samstag 22.07.2017

Am Samstag machte ich mich erst Mittags auf den Weg zum Startplatz um mich schon mal für Sonntag anzumelden. Bis Mittags hatte es geregnet, danach gab es einen Mix aus Sonnen und Wolken bei knapp 20 Grad. Hatte die RTF bereits im Voraus bezahlt, aber leider vergessen mir den entsprechenden Scancode zu Hause auszudrucken. Zum Glück konnte man mir vor Ort helfen und das wichtige Papier ausdrucken. Noch einmal vielen Dank. Damit meldete ich mich an und bekam schon mal die Startkarte für Sonntag. Danach machte ich mich auf den Weg zu einer kleinen Rundfahrt mit dem Peugeot. Zunächst ging es am benachbarten Stadion von Hannover 96 vorbei. Auf dem Schützenplatz fand ein Treffen amerikanischer Autos statt. Ich erreichte den Maschpark und bewunderte das neue Rathaus. Das war gar nicht so neu, sondern wurde schon 1913 gebaut und sah aus wie ein Schloss. Was mir auffiel das vor dem Teich eine große Bühne aufgebaut wurde. Von einer Frau erfuhr ich das dort Abends die Oper Rigoletto aufgeführt wurde. Überall im Park hatte man Lautsprecher und Bildwände aufgebaut damit die Menschen die Oper kostenlos genießen konnten.

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Weiter ging es in die Altstadt von Hannover. Hier war am Samstag Nachmittag natürlich noch einiges los. Ich schob das Rad durch die Gassen und bewunderte die zum Teil sehr aufwändigen Fassaden der Häuser.

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Danach führte mich der Weg zum Start zurück wo ich nach und nach auf einige bekannte Gesichter aus NRW traf. Axel und Vera aus Wuppertal, Gabi und Günter aus Essen und überraschenderweise sogar Harald aus Duisburg. Auch Albert war wieder mit dabei. Den hatte ich zuletzt in Nortorf beim 24 Stunden Marathon getroffen. Einige Andere kannte ich zumindest vom Sehen. Die RTF-Welt war doch klein, dachte ich noch. Man traf sich immer wieder. Das machte vielleicht auch für viele den Reiz aus. Für mich auf jeden Fall. Am frühen Abend machte ich mich dann auf den Rückweg nach Arnum. Beinahe wäre mir noch eine dünne Hundeleine zum Verhängnis geworden. Auf einer Waldstraße ging Herrchen ganz links und der kleine Hund ganz rechts. Dazwischen waren 5 Meter hauchdünne Hundeleine gespannt. Als ich die Leine im letzten Moment sah, machte ich eine Vollbremsung. Der Radler ein Stück hinter mir war dann zum Glück schon vorgewarnt. Das wäre es gewesen, ein Sturz direkt am Anfang. Und dem armen Hund hätte das sicher auch nicht gut getan. Die ersten beiden Tage bin ich nur kurze Strecken gefahren. Freitag waren es knapp 17 km und Samstag dann 22 km mit der Stadtrundfahrt.

Sonntag 23.07.2017

Sonntag machte ich mich bei bewölktem Himmel früh auf den Weg zum Start. Es war noch etwas frisch, aber ich war gut ausgerüstet. Da eine Klassik-RTF für Räder von mindestens 25 Jahren Alter anstand, hatte ich mich entsprechend zu meinem 1989er Peugeot in Schale geschmissen. Sogar passende französische Radschuhe von Carnac in Lila hatte ich angezogen. Die Klickpedale waren gegen klassische Pedale ausgetauscht. Das Vereinstrikot war ebenfalls aus den 80er Jahren. Vor dem Start traf ich auf Knut und Marc vom Klassikertreffen Hannover. Auch ein paar andere Fahrer die ich vom Sehen kannte, kamen mit ihren alten Schätzchen.

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Um 8:45 Uhr starteten knapp 50 Klassikerfahrer/innen. Sogar ein Hochrad begleitete uns die ersten Kilometer.

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Doch bereits eine dreiviertel Stunde später bei Wennigsen fing es an zu regnen, erst leicht und dann stark. Trotz Regenjacke war ich bald ordentlich nass. Meine schönen Schuhe schwammen regelrecht. Aber ist man erst einmal durchnässt ist sowieso alles egal. Zum Glück war es nicht kalt, das machte es erträglich. Als es dann hinauf auf den Deister ging, hatte es bereits aufgehört und die Sonne versuchte ihr Glück. Tapfer kämpfte ich mich die Steigung hinauf. Längst waren die anderen Klassikerfahrer entschwunden. Oben auf dem Deisterkamm gab es zur Belohnung die erste Kontrolle mit Verpflegung. Ich machte eine kurze Pause und sah einige Fahrer aus Werne die mir noch öfters begegnen sollten. Die gehörten aber zur regulären RTF auf der überwiegend moderne Räder fuhren. Nach einer rasanten Abfahrt wartete bereits die nächste Steigung, der Nienstädter Pass. Hier hatte ich schon etwas mehr Schwung und kam jetzt langsam in Fahrt. Auch die Sachen trockneten langsam am Körper und der Himmel riss immer mehr auf. Danach war die Strecke nur noch wellig. Also genau mein Ding. Entsprechend ging meine Geschwindigkeit hoch. Das Peugeot gehörte noch lange nicht zum alten Eisen.

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Über Eimbeckhausen, Hamelspringe und Bad Münder erreichte ich Coppenbrügge. Hier war die 2. Kontrolle direkt vor der örtlichen Burg.
Nach knapp 60 km hatte ich jetzt Hunger und genoss die vorzügliche Verpflegung. Hier traf ich auch auf Vera, die jedoch vor mir wieder startete.

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So ein Foto vor einer alten Burg hatte schon was. Mein Peugeot zeigte sich von seiner besten Seite. Dann machte ich mich auch wieder auf den Weg. Das Wetter war jetzt stabil und überwiegend sonnig. Da war der Regen am Morgen schon wieder vergessen. Es ging durch Afferde und dann sah ich oben auf dem Marienberg das Schloss Marienburg. Wie ein Märchenschloss thronte es oben auf dem Hügel über der Leine. Da musste ich doch kurz mal anhalten, obwohl ich Vera mittlerweile in Sichtweite hatte.

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Danach gab ich wieder Gas und hatte Vera noch vor der dritten Kontrolle eingeholt. Wir passierten den Giftener See. Zusammen erreichten wir die dritte Kontrolle am Rande von Sarstedt und trafen dort Gabi auf dem Sportplatz, die auf der 70er Runde war. Wir kamen so ins quatschen und ich verpasste mal wieder Veras Abfahrt. Da ich dann auch noch auf Toilette musste, fuhr ich die letzten Kilometer ins Ziel zunächst alleine. Doch dann traf ich wieder das Trio aus Werne und folgte ihnen eine Weile.

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Über Reden und Harkenbleck ging es dann in einer größeren Gruppe wieder nach Hannover hinein, vorbei am Maschsee und durch die Südstadt ins Ziel. Trotz des Regengusses war es eine tolle Tour mit einer abwechslungsreichen und gut zu fahrenden Strecke. Die 112 km und 650 Höhenmeter legte ich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 24 km/h zurück.

Montag 24.07.2017

Am Montag sollte es eine besondere RTF geben. Fast 600 Fahrer/innen wurden in einem Pulk von der Polizei durch Hannover geleitet. Jede Kreuzung wurde extra für uns gesperrt. So eine Menge Radler/innen waren eine beeindruckende Demonstration für den Breitensport und fürs Rad fahren. Ich bekam richtig Gänsehaut in dieser riesigen Gruppe. So genoss ich die 12 km durch Hannover ganz besonders. Es war zwar bewölkt, aber trocken. Außerhalb von Hannover verabschiedete sich dann die Polizei und wir wurden Gruppenweise auf die Strecke geschickt. Ich fuhr zusammen mit Harald, Franz, Stefan, Richard und einigen Anderen. Es ging nach Norden über Burgwedel und durch die Wedemark.

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Doch schnell holten wir auf die vorderen Gruppen auf und es bildete sich eine große Gruppe von bestimmt 100 Leuten. Nach einer Weile schloss ich zur Spitze auf wo Günter und seine Leute vom Rendsburger Verein die Gruppe anführten. Ich reihte mich ein. Dann kam eine Kopfsteinpflasterpassage berghoch.

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Als vor mir langsamer gefahren wurde scherte ich aus und gab Gas. Lieber kurz und schmerzvoll, als langsam und noch schmerzvoller. Das Peugeot raste wie ein Vollblut über das grobe Pflaster und schon waren wir oben. Hinter mir war eine große Lücke entstanden und ich zog jetzt durch.

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Bald hatte ich ein paar einzelne Fahrer eingeholt und wir bildeten eine kleine Gruppe. So erreichten wir die ersten Kontrolle bei 42 km vor dem großen Ansturm. Während ich mich bereits verpflegt hatte, trafen die Anderen nach und nach ein. Auf dem Kopfsteinpflaster war die große Gruppe wohl in mehrere kleine zerfallen. Alleine fuhr ich wieder los. Es fing gerade an zu regnen. Ich holte Günter und seine Gruppe aber wieder ein die vor mir gestartet waren und fuhr bis zur 2. Kontrolle mit. Der Regen wollte nicht mehr aufhören. Bis zur 3. Kontrolle fuhr ich dann meistens alleine im Regen. Langsam wurde es auch etwas ungemütlich, aber ich gewöhnte mich daran. Nach der 3. Kontrolle traf ich dann wieder auf Günter und einige Mitfahrer. Die Strecke führte wieder nach Hannover, vorbei an den Herrenhäuser Gärten, einer Gartenanlage aus der Barockzeit. 2 km vor dem Ziel wollte uns ein Radsportverein zum Kaffee einladen. Leider war der Kaffee ausgegangen. Man hatte nicht mit so einem Andrang gerechnet. Wir fuhren die letzten Kilometer an der Ihme entlang zum Ziel. Die floss noch relativ ruhig dahin.

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127 km mit einem Schnitt von über 25 km/h und nur 240 Höhenmeter kennzeichneten die Tour, genau wie die über 80 km im Regen.
Trotzdem war das eine tolle RTF und man hatte sich bei der Verpflegung wieder alle Mühe gegeben. Bravo! So stellte ich mir ein Bundesradsporttreffen vor. Den Tourtag beschloss ich beim Essen mit Harald, Franz und ein paar Anderen.

Dienstag 25.07.2017

Der Supergau! Den ganzen vorherigen Abend und die ganze Nacht hatte es geschüttet und Gewittert. Mein Zelt hielt zum Glück stand, aber sämtliche Gewässer in und um Hannover hatten plötzlich Hochwasser. Viele Straßen und Wege waren unpassierbar, die Feuerwehren hatten alle Hände voll zu tun. Die RTF musste leider abgesagt werden, aber bei den Wassermassen war es einfach zu gefährlich. Die Nachricht erreichte mich Morgens im Zelt. Da ich bereits fertig war, fuhr ich mit dem Auto nach Hannover. Mit Regenjacke und Regenschirm bewaffnet sah ich mir noch einmal die Altstadt an. Viele Gebäude aus der Barockzeit und dem Mittelalter geben Hannover ein interessantes Gesicht. Kleine Boutiquen und Trödelläden erregten meine Aufmerksamkeit. Ich war aber so früh dort das die meisten Läden noch geschlossen hatten. So zog ich weiter in die Neustadt und genehmigte mir in einer Bäckerei ein zweites Frühstück.

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Danach schlenderte ich wieder durch die fast menschenleeren Altstadtgassen. So ein Regen hatte auch Vorteile.

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Allerdings trugen selbst die Statuen einen Regenschirm. Sie schienen schon leidvolle Erfahrungen mit den Wassermassen zu haben.

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Um 10 Uhr öffnete das historische Museum an der Leine seine Türen. Ich zahlte meinen Eintritt und tauchte ein in die Geschichte der Stadt.
Das Adelsgeschlecht der Welfen hatte sogar mal einen englischen König gestellt. Das barocke Gesicht der Stadt verdankt es ebenfalls den Welfen. Aber auch später kamen renommierte Firmen wie Pelikan, Geha, Spengler und Hanomag aus Hannover. Alles Firmen die in den 60er und 70er Jahren noch sehr geläufig waren. Ich liebte z.B. Spengler Schokolade und schrieb mit einem Pelikan Füller in der Schule. Das das alles aus Hannover kam wusste ich nicht. Wieder etwas schlauer. So war der Regen wenigstens für etwas gut. Nachmittags sah ich mir dann bei strömenden Regen mit dem Auto die RTF-Strecke an. Viele gesperrte Straßen und überall Feuerwehr. Das war wirklich Ausnahmezustand.
Das Damoklesschwert was natürlich über uns schwebte war der komplette Abbruch des Treffens. Mittwoch würde es sich entscheiden.

Jennifer aka Sonne_Wolken

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2 Gedanken zu “BRT 2017 in Hannover, Teil 1

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