Netherlands at its best

15.07.2017

Das ich eine gewisse Affinität zu den Niederlanden habe ist ja jetzt kein großes Geheimnis. Und so nutze ich natürlich jede Gelegenheit um dort Rad fahren zu können. Mitte Juli ergab sich dann die Möglichkeit den 300 km Brevet in Boekelo zu fahren. Boekelo ist ca. 150 km von meiner Heimstatt entfernt und lässt sich mit dem Auto in weniger als 2 Stunden erreichen. So fand ich mich Morgens gegen 8:30 Uhr dort ein. Die Anmeldung ging recht flott und es war noch Zeit für einen Espresso. Ich begrüßte Ivo, den ich vom schreiben im Rennradforum kannte.
Pünktlich um 9 Uhr schickten die netten Organisatoren ca. 40 Fahrer/innen aus mehreren Ländern auf die Strecke. Schnell war die Gruppe meinem Blick entschwunden, denn ich hatte noch ein kleines Problem mit dem Funktacho.

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Das war schnell behoben und ich machte mich an die Verfolgung. Da ich aufgrund meiner lädierten Muskeln aber nicht so schnell konnte, gab ich es auf und fuhr nun mein Tempo. Um die angegriffene Wade nicht weiter zu piesacken fuhr ich vorne nur auf dem 38er Kettenblatt, was mich zu einer höheren Trittfrequenz zwang. Trotzdem war ich ganz gut unterwegs. Westwärts führte mich der Weg an Beckum vorbei. Hier war die Landschaft wie man sie aus Grenznähe kannte. Mein Ziel war die erste Kontrolle in der Nähe von Lelystad am Ijsselmeer nach ungefähr 120 km.

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Das Wetter war eine Mischung aus Sonne und Wolken bei ca. 20 Grad, also eigentlich optimal. Doch dann zog eine richtig schwarze Wolke am Himmel auf und es fing an zu regnen. Während ich noch darüber nachdachte die Regenjacke anzuziehen, fiel mir das Ende der dunklen Wolke ins Auge. Bis dahin sollte ich nicht all zu nass werden. So war es dann auch.

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Während ich dachte eigentlich das Schlusslicht des Teilnehmerfeldes zu sein, überholte mich plötzlich Peter aus Gelsenkirchen mit einem Mitfahrer. Die Beiden müssen irgendwo falsch abgebogen sein. Nach kurzer Begrüßung im Vorbeifahren (mit Peter bin ich schon mal Brevet gefahren), hängte ich mich an die Beiden dran. Aber ich musste nach ein paar Kilometern einsehen das sie dieses Mal zu schnell für mich waren und so ließ ich sie ziehen.

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Hinter Bentelo ging es über den Twentekanal weiter nach Goor und dann westlich bis Markelo. Nach über 50 km erreichte ich dann Deventer. Die an der Ijssel gelegene Stadt mit knapp 100.000 Einwohner hat eine lange Geschichte seit der Zeit der Germanen und war Mitglied der Hanse im Mittelalter. Ich hatte leider keine Zeit für eine Stadtbesichtigung und fuhr weiter.

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Dann ging es über eine Brücke der Ijssel aus der Stadt hinaus.

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Ein paar Kilometer folgte die Route der Ijssel stromabwärts, bevor es wieder direkt nach Westen ging.

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Überall gab es wunderschöne Reet gedeckte Häuser. Das schien hier, genau wie in Ostfriesland, typisch zu sein.

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Immer wieder überquerte ich Kanäle und Klappbrücken. Der Weg führte durch Vaassen, das ich aber nur am Rande schnitt.

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In der Nähe von Epe ging es dann durch ein großes Wald- und Heidegebiet. Die Niederlande haben schon eine sehr abwechslungsreiche Landschaft, welche manche Urlauber leider gar nicht so wahrnehmen.

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Natürlich fuhr ich den Brevet mit meinem Koga Miyata Traveller. Das Rad war wie geschaffen für die Tour und ich konnte dem Zwarten Zwaan mal seine Heimat zeigen. Ich glaube es hat ihm gefallen. In der Packtasche hatte ich noch warme Klamotten für die Nacht und ein paar Notrationen, die ich noch brauchen würde.

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Ich kam durch die kleine Ortschaft Vierhouten. 80 km hatte ich bereits ohne Pause zurück gelegt. Nur ein kurzer Stopp um mein Koga zu fotografieren. Aber so verlor ich wenig Zeit, trotz meiner Langsamkeit.

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In Harderwijk hatte mich das Wasser wieder. Auf einer Brücke überquerte ich das Veluwemeer. Dahinter ging es schier endlos Kilometer um Kilometer geradeaus über einen der längsten Dämme die ich bisher kannte. Ab und zu gab es wenigstens mal Abwechslung in Form von Schafen. Der Seitenwind machte mir nicht so viel zu schaffen, drosselte aber mein Tempo etwas.

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Dann führte der Damm auf die Autobahn A6 zu, die ich unterqueren musste. Danach ging es nach links und mir kamen ein paar kleinere Gruppen von Teilnehmern entgegen. Die 1. Kontrolle war bald erreicht. Es handelte sich um eine Autobahnraststätte die über einen Pfad legal für Fußgänger und Radfahrer zu erreichen war. Hier traf ich Peter wieder, der gerade aufbrach. An einem Tisch vor dem Imbiss saß Ivo mit ein paar Mitfahrern. Ich holte mir drinnen den Stempel und wollte natürlich etwas essen und trinken. Doch leider gab es nichts vegetarisches und man konnte nur mit Karte bezahlen. Ich hatte nur Bargeld dabei. Gut das ich meine Notrationen mit hatte. So brach ich mit Ivo zusammen ohne Pause wieder auf. Körperlich ging es mir immer noch gut. Erstaunt stellte ich fest das ich für die 120 km trotz zurück haltender Fahrweise einen 23er Schnitt erreicht hatte.

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Der sollte aber bald runter gehen. Die Route führte direkt zum Ijsselmeer und dann nach Süden über einen Verbindungsdamm.
Links von uns erstreckte sich das Naturschutzgebiet Oostvaardersplassen. Auf dem Ijsselmeer sah ich am Horizont einige Segelboote.

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Über schmale Pfade ging es durch die wunderschöne Landschaft des Naturschutzgebietes. Ivo meinte das es sich um ein Paradies für Vogelkundler handelte. Ich genoss den Geruch des Raps und die Wärme. Es waren mittlerweile über 20 Grad und angenehm warm.

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Mittlerweile lagen auch einige Teilnehmer hinter uns, die längere Pausen gemacht hatten. So überholte uns immer wieder eine Dreiergruppe Liegeradler, die es auch nicht so eilig zu hatten. Bis zur zweiten Kontrolle sollten es unter 90 km sein. Ich hatte bisher noch keine Pause gemacht und nutzte einen kurzen Stopp um ein Energiegel und einen Kakao zu trinken. Gut das ich zu Hause noch einiges eingesteckt hatte, sonst wäre mir bald die Puste ausgegangen. Komischerweise machte mir das durchfahren gar nicht so viel aus. Gesundheitlich ging es mir auch immer noch gut.

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Die Route führte ausschließlich durch absolut ländliches Gebiet und keine Möglichkeit der Verpflegung war in Sicht. Wir fuhren vorbei am Horsterwold und überquerten schließlich den Nijkerkernauw. Dann kamen wir nach Putten, wo aber die Supermärkte mittlerweile geschlossen hatten. Also fuhren wir weiter. Ich ernährte mich von Riegeln und Energiegels, aber meine Trinkflaschen wurden langsam leer und ich hatte keine Reserve mehr. Mittlerweile fuhr ich 180 km ohne Pause. Komischerweise ging es mir immer noch ganz gut und ich kurbelte ziemlich locker mit kurzer Übersetzung. Nach Garderen ging es dann immer leicht ansteigend weiter. Dann nach über 200 km erreichten wir die 2. Kontrolle in Otterlo. Wir brauchten den Stempel eines Retaurants und beschlossen hier auch direkt etwas zu essen. Es gab vegetarische Pasta und eine große Cola. Den Preis von knapp 20 € fanden wir für ein eher einfaches Restaurant dann aber doch eher happig. Aber was soll´s. Ich füllte meine Trinkflaschen noch mit Leistungswasser auf und dann ging es weiter. Wir brachen gerade auf, da kamen auch die Liegeradler wieder. Sie hatten unterwegs Pause gemacht und ließen nur stempeln. Ich hatte das übliche Problem nach längerer Pause und kam nur wieder schleppend in Tritt. Aber dann lief es wieder einigermaßen.

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Nun kam einer der interessantesten Teile der Route, die Fahrt durch den Nationaal Park De Hoge Veluwe, eine Mischung aus Wald und Heide.
Hier durfte man nur vor Einbruch der Dunkelheit durch fahren, weil es im Dunkeln zu gefährlich wurde. Zum Glück waren wir noch früh genug dran.
Wir fuhren gerade so fröhlioch vor uns hin, als von links eine ganze Wildschweinrotte unseren Weg kreuzen wollte. Die Schweine hatten uns offensichtlich nicht bemerkt. Auf Ivos laute Rufe drehten sie erschrocken ab und liefen parallel zu uns. Wir hielten an um ihnen die Überquerung des Weges zu ermöglichen. Das nutzten sie auch, gaben aber Gas als wenn Asterix und Obelix hinten ihnen her wären. Zunächst war ich auch sehr erschrocken, fand die Begegnung dann aber doch faszinierend, zumal sie für Mensch und Wildschweine gut ausging. Ein paar Kilometer später, es dämmerte bereits, trafen wir dann noch auf einen Büffel, der einfach so am Wegesrand stand und uns gutmütig anschaute. Anscheinend waren Radler nichts Neues für ihn, denn er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Wir fuhren weiter. Jetzt wurde es immer hügeliger. Wer dachte die Niederlande wären nur flach, wurde hier eines Besseren belehrt. Ich war erstaunt wie groß das Gebiet war, das wir durchquerten. Schließlich kam sogar eine 2 km lange Steigung die schon mal Bergwertung bei einem Profirennen war und bis auf über 100 Meter führte. Ich kurbelte gemütlich hoch, hatte Ivo aber immer in Sichtweite. Trotzdem merkte ich ein Ziehen im Knie. Ganz beschwerdefrei war ich dann also doch nicht. Ich nahm noch etwas Tempo raus um das Knie nicht zu überlasten. Mit dem endgültigen Einbruch der Dunkelheit waren wir dann aus dem Waldgebiet raus. Jetzt ging es wieder flach über die Felder und durch kleinere Ortschaften. Unsere Scheinwerfer leuchteten uns den Weg. Nach Brummen erreichten wir dann die 3. Kontrolle in Vorden. Das war eine sogenannte freie Kontrolle. Das heißt wir konnten uns den Stempel überall im Ort holen. Da es schon nach 23 Uhr war, gingen wir in ein noch offenes Bistro. Ich bestellte mir noch mal eine Cola und wir bekamen auch den ersehnten Stempel, bzw. einen Aufkleber in unser gelbes Heft.

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Ich war mittlerweile etwas müde, wie immer wenn es dunkel war. Wir lagen noch drei Stunden vor der Zeit. Bei dem Tempo würden wir gegen 2 Uhr im Ziel eintreffen, 3 Stunden vor Zielschluss. Aber ich wusste das ich das Tempo nicht halten konnte. Ich verabschiedete mich von Ivo und fuhr die letzten 45 km alleine weiter. Kurz darauf überholten mich dann wieder die Liegeradfahrer ein letztes Mal. Ich nahm den Druck von den Pedalen, was meinem Knie gut tat. Dafür wurde ich immer müder. Das ging so nicht. In Borculo fand ich ein Bushäuschen in das ich mich setzte und einfach ein kleines Nickerchen machte. Nach 15 oder 20 Minuten, so genau wusste ich das nicht, wachte ich auf und fuhr weiter. Mit jedem Kilometer wurde ich wieder munterer und zählte die Kilometer runter. Mit einem Schnitt von gut 17 km/h auf den letzten Kilometern war ich nicht gerade schnell, aber ich hatte noch genug Zeit. Ich passierte Neede und Beckum und traf dann endlich um 3 Uhr im Ziel in Boekelo ein. Ivo war bereits seit einer Stunde dort. Ich erfuhr das noch einige Fahrer fehlten, also hinter mir waren. Die angebotene asiatische Suppe nahm ich dankend an. Mein Knie schmerzte etwas, aber nicht dramatisch. Meine Muskulatur hatte sich gar nicht gemeldet, alles in Ordnung. Der schönste Brevet den ich bisher gefahren war, war geschafft. Und ich war überhaupt nicht mehr müde. Dafür fielen Ivo jetzt immer öfter die Augen zu. Wir saßen eine Weile da, als die Letzten im Ziel eintrafen. Nur eine Aufgabe war zu verzeichnen, alle Anderen waren rechtzeitig im Ziel eingetroffen. Ich bedankte mich bei den Organisatoren für den tollen Brevet und machte mich auf den Weg zum Auto. Hier machte ich mich frisch und zog mir saubere Sachen an.
Dann fuhr ich auf die Autobahn bis zum ersten Parkplatz und machte ein Nickerchen. Direkt nach Hause fahren war mir zu riskant. Den Sonntag nutzte ich dann zum ausruhen. Viel liegen und schlafen. Das tat dem Körper gut.

309 km fuhr ich mit einem Gesamtschnitt von 21,2 km/h. Das war jetzt nicht gerade schnell, aber ich war durchaus zufrieden. Geplant ist Ende August noch ein 600er Brevet. Falls ich auch noch den 400er im September fahre, habe ich dieses Jahr meine Serie doch noch voll. Es hat auf jeden Fall richtig Spaß gemacht und ich habe viel über die Einteilung bei längeren Brevets gelernt. Ich muss nicht immer einen 25 oder 26er Schnitt fahren um gut ins Ziel zu kommen. Und Boekelo ist ein ganz toller Startort mit guten und sehr sympathischen Organisatoren.

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2 Gedanken zu “Netherlands at its best

    1. Danke, mache ich. Jetzt geht es am Freitag erst einmal für 10 Tage nach Hannover. Dort ist Bundesradsporttreffen. Das bedeutet Rad fahren bis der Arzt kommt. 🙂
      Aber ich werde auf meine Gesundheit achten und einfach etwas langsamer fahren.

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