24 Stunden Marathon Nortorf 2017

08.07.2017

Im Juli fuhr ich zu einem meiner Saisonhöhepunkte, dem 24 Stunden Marathon in Nortorf, ca. 40 km von Kiel entfernt. Die Fahrt in den Norden entwickelte sich allerdings schnell zu einer Strapaze. Die ersten Kilometer liefen noch gut, aber dann geriet ich hinter Bremen in eine Vollsperrung. Angeblich musste ein LKW-Fahrer niesen und verteilte dabei LKW und Schüttgutladung über die gesamte Fahrbahn. Das kostete mich über 3 Stunden. Schließlich kam ich nach 8 Stunden Fahrt für 420 km Abends in Nortorf an. Während ich auf einer Wiese neben dem Start mein Zelt aufbaute, begrüßte mich Albert. Er war schon vor mir angekommen. Nachdem ich mein „kleines“ 10 qm Zelt aufgebaut hatte, lernte ich noch Doris und ihren Partner kennen. Wir kamen ins Quatschen. Gegen 21 Uhr gab es dann für mich noch eine Kleinigkeit zum Abendessen und dann ging es ins Bett.

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Mein Handywecker klingelte und ich machte mich an die Morgentoilette. Schon mal die Radsachen anziehen und Wechselklamotten bereit legen, dann kümmerte ich mich ums Rad. Am Start herrschte schon geschäftiges Treiben. Es gab schon Kaffee, ein Angebot welches ich gerne annahm. Zurück beim Zelt aß ich mein Müsli. Schließlich brauchte ich Energie für den Tag. Die Wasserflaschen füllte ich noch und stopfte ein paar Riegel in die Lenkertasche. Ich hatte mir so einiges vorgenommen für die 24 Stunden. Mein Minimalziel waren 15 Runden, aber insgeheim hoffte ich auf 17 bis 18 Runden und einen Platz unter den ersten 5 bei den Frauen.

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Ich begab mich mit meinem Koga Miyata und meiner Ausrüstung zum Start. Es war noch etwas Zeit und ich wollte noch ein paar Eindrücke einfangen. Die Ruhe vor dem Sturm/Start tat gut.

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Mein noch relativ neu aufgebautes Koga Miyata Traveller sollte mich über die 24 Stunden bringen. Knapp 400 km konnte ich das Rad insgesamt schon unter verschiedenen Bedingungen testen. Dieses Mal war ich allerdings nicht die Einzige mit Stahlrenner am Start. Ich entdeckte ein Colnago und später noch zwei, drei andere Stahlrahmen. Auch ein Titanrahmen war am Start.

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Der Platz am Start füllte sich zunehmend. Gespannte Erwartung in den Gesichter. Bald ging es los. Und Einige hatten sich offensichtlich viel vorgenommen.

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Kurz vor 10 Uhr erfolgte der neutralisierte Start. Das hieß wir fuhren als komplette Gruppe in Polizeibegleitung die ersten 2 km aus der Stadt raus.

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Kaum war der Start dann freigegeben ging die wilde Jagd los. Vorne setzte sich direkt eine Gruppe ab. Ich war in einer der mittleren Gruppe und zog auch ordentlich an der Kette. Ich hatte mir vorgenommen erst einmal zwei oder drei Runden am Stück zu fahren. Eine Runde hatte 28 km.

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Es war bewölkt, aber nicht kühl. Für Mittags war Regen vorhergesagt. Ich kam gut in Tritt, überholte und wurde überholt, aber nach einigen Kilometern hatte sich das Feld schon sehr auseinandergezogen. Selbst auf den leicht ansteigenden Geraden hatte ich noch gut 30 km/h auf dem Tacho. Allerdings fragte ich mich wie lange ich dieses Tempo so durchhielt.

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In Innien kam dann der Abzweig nach Oldenhütten. Hier begannen nach einer längeren fast geraden Strecke die Hügel auf der Strecke. Da ich das vom letzten Jahr noch gut kannte, schaltete ich rechtzeitig runter und fuhr in meinem Tempo die Anstiege hoch. Pro Runde waren das nur knapp 100 Höhenmeter, aber die konnten nach etlichen Runden echt gefährlich werden wenn man zu schnell anging. Einige kleine Gruppen zogen wieder an mir vorbei. Aber jetzt nur kein falscher Ehrgeiz.

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Es ging auf und ab. Ein schön welliges Profil. Leider war es aber jede Runde genau das selbe Profil. Auf Dauer etwas zermürbend.

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Nach dem ich in Oldenhütten rechts abgebogen war, ging es wieder bergab und gerade weiter. Hier konnte ich wieder Tempo machen. So fuhr ich Runde um Runde.

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In der vierten Runde dachte ich darüber nach noch eine fünfte zu fahren. Aber dann siegte doch die Vernunft.

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Nach dem Durchfahren des Messzeltes fuhr ich von der Strecke und besuchte den Verpflegungsbereich. Vier Runden das hieß 112 km hatte ich bisher mit einem Schnitt von etwas über 26 km/h ohne Pause durch gefahren. Wenn das so weiter ging, sah das mit dem Erreichen meiner Ziele sehr gut aus. Ich fühlte mich topfit und stockte meine Energie wieder auf. Reis mit veganer Soße war gegen 14 Uhr genau das Richtige. Ich überlegte ob ich jetzt immer vier Runden fahren sollte und erst danach wieder eine Pause. Mal schauen wie der zweite Turn lief. Ich war guter Dinge. Der Regen gegen Mittag erwies sich als ein paar Tropfen, die schnell vorbei waren. Das Wetter war also auf meiner Seite.

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Ich fuhr nach 20 Minuten wieder auf die Strecke. Jetzt kam sogar häufiger die Sonne durch und es wurde noch etwas wärmer. Richtig angenehm. Trotzdem merkte ich schnell das mir die Pause anscheinend nicht so gut getan hatte. Irgendwie fühlte ich mich schwerfällig. Ich schob das dem Verdauungsprozess zu. Doch dann zwackte nach einigen Kilometern wieder meine linke Wade. Erst nur ein bisschen dann stärker. Das hatte ich letzten Sonntag erst, dachte aber es wäre wieder besser geworden. Auf den ersten vier Runden machte sich die Verletzung jedenfalls nicht bemerkbar. Ich musste wohl oder übel Druck vom Pedal nehmen. Jetzt nur nichts riskieren. Ich entschloss mich nur zwei oder drei Runden zu fahren und dann etwas länger Pause zu machen.

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Auf dem Stück zum ersten Hügel hatte ich dann plötzlich @sinngh mit seinem Carrera neben mir. Wir kamen ins quatschen und als ich mir seinen schönen Stahlrenner während der Fahrt genauer ansehen wollte, räumte ich den armen Mann fast mit meinem Rad ab. Irgendwie verlor ich das Gleichgewicht, weil ich zu lange auf das Rad neben mir schaute. Zum Glück ging es gerade noch gut. Tat mir echt leid. Vor dem Start hatte ich das Rad leider nicht entdeckt. Da ich den Anstieg hoch jetzt noch langsamer fahren musste, verabschiedete ich mich von sinngh.

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Ich merkte wie ich Runde für Runde langsamer wurde und machte bereits nach zwei Runden wieder eine Pause. Der Schnitt der zwei Runden war fast drei km/h unter dem der ersten vier. Wenn das so weiter ging, konnte das ja heiter werden. Ich hoffte mich in der Pause wieder etwas zu erholen. Dann ging ich zu meinem dritten Turn wieder auf die Strecke. Dieses Mal hatte ich mir direkt nur zwei Runden vorgenommen. Leider war das Zwacken in der Wade nicht vorbei. Dafür kamen jetzt Stiche in meinem linken Knie dazu. Bei mir schrillten die Alarmglocken. Das war mein kaputtes Knie, aber ich hatte seit über zwei Jahren damit keine Probleme gehabt. Also noch etwas weniger Druck und damit Geschwindigkeit. Vielleicht erreichte ich mein Minimalziel von 15 Runden noch.

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Die 28 km der Strecke waren durchaus abwechslungsreich. Es gab auch ein wenig Paris-Roubaix Feeling, welches ich aber feige auf dem Bürgersteig umfuhr. Das Wetter und die Landschaft war toll. Aber ich war zu sehr mit meinen körperlichen Unzulänglichkeiten beschäftigt um es wirklich genießen zu können. Blöder Ehrgeiz.

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Die Schmerzen wurden nicht wirklich besser und so machte ich nach 8 Runden meine nächste Pause. Jetzt war bald Halbzeit. Theoretisch konnte ich mein Ziel noch erreichen.

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Die Pause tat mir gut und so fuhr ich mit Beginn der Dämmerung mit Licht auf meine nächste Runde. Jetzt machten sich auch noch die Oberschenkel durch beginnende Krämpfe bemerkbar. Mist, wahrscheinlich war meine Schonhaltung Schuld daran. Ich saß nicht mehr optimal auf dem Rad und trat auch nicht mehr gleichmäßig. Mit Mühe beendete ich die Runde und beschloss eine halbe Stunde zu schlafen, in der Hoffnung die Muskeln dadurch zu entspannen. Ich legte mich frisch gemacht und mit neuen Klamotten ins Zelt und gönnte mir 30 Minuten Ruhe. Dann ging es im Dunkeln zurück auf die Strecke. Mit meiner Beleuchtung am Rad war ich sehr zufrieden. Ich fand eine gute Einstellung vorne für den Cyco T und kam gut durch die Dunkelheit. Dafür wurde ich jetzt so von Muskelkrämpfen geschüttelt das ich kaum noch ins Ziel kam. Mit Mühe beendete ich die 10. Runde und beschloss aufzugeben. Wenn ich weiter fuhr riskierte ich vielleicht schlimmere Verletzungen und damit die weitere Saison.
Lieber hier verlieren (für mich fühlte es sich so an), als längere Zeit außer Gefecht zu sein. Ich müsste meinen Ehrgeiz in Zukunft auf jeden Fall etwas bremsen.

Ich aß und trank etwas und legte mich gegen 2:30 Uhr ins Bett. Morgens wachte ich dann durch die Sonne auf und wusch mich, zog mir zivile Klamotten an. Meine Muskeln taten noch etwas weh und ich fühlte mich alt. Mein Vorjahresergebnis mit 13 Runden würde ich dieses Mal nicht erreichen oder gar übertreffen. Aber die 10 Runden hatte ich immerhin auf der Haben-Seite. 280 km, davon 112 km ohne Pause gefahren. Ich ging zum Start und frühstückte. Anscheinend war ich nicht die Einzige die aufgegeben hatte. Es liefen schon einige nicht mehr in Radsachen herum. Aber mit mir war nicht viel los. Mürrisch saß ich am Frühstückstisch. Die Enttäuschung saß tief. Danach ging ich zurück zum Zelt und packte alles wieder ein.

Gegen 10 Uhr fand ich mich noch einmal am Start ein um mich von Einigen zu verabschieden. Ich erfuhr das Doris, die ich am Freitag kennen lernte, mit 16 Runden fünfte wurde. Das freute mich sehr für sie und milderte meine eigene Enttäuschung. Die Siegerehrung bekam ich dann aber nicht mehr mit, da war ich bereits wieder auf dem Rückweg. Nortorf hatte ich abgehakt. Nächsten Samstag würde ich in Boekelo einen 300 km Brevet fahren. Darauf freute ich mich.

Hier noch die Daten: 280 km. 23,8 km/h Gesamtschnitt und ca. 900 Höhenmeter. Die Organisation war toll und die Verpflegung durch das engagierte Küchenteam war grandios und ließ wirklich keine Wünsche offen. Vielen Dank an das tolle Team.
Natürlich werde ich nächstes Jahr wieder dabei sein.

Jennifer aka Sonne_Wolken

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Ein Gedanke zu “24 Stunden Marathon Nortorf 2017

  1. Hallo Jennifer,ich kann nachfühlen wie dir zumute war.Aber das haut dich nicht um.Kommende Woche fährst du deinen fetten Brevet und dann kannst du frohen Mutes nächstes Jahr neu angreifen.Auf geht’s.
    Viele Grüsse
    Albert

    Gefällt 1 Person

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