Bergischer Regen

01.07.2017

Eigentlich wollte ich am ersten Samstag im Juli mit meinem alten Bianchi die Eroica in Limburg fahren. Aber als dann der Wetterbericht kam und Dauerregen versprach, wurde mir klar das ich das der Donna Bianca nicht antun konnte. Unbefestigte Wege würden schnell zu einer Schlammschlacht. Darauf hatte die Donna nun so gar keine Lust und auch meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. So suchte ich nach einer Alternative und wurde in Wuppertal-Katernberg fündig. Dort fand eine RTF des RV Endspurt 08 Wuppertal durchs Bergische Land statt. Da ich am Freitag meinen Koga Miyata Randonneur fertig gestellt hatte, lag es nahe das mit Schutzblechen und Licht ausgerüstete Rad bei dieser RTF auf Herz und Nieren zu prüfen. Ralf wollte mangels Alternative die gleiche RTF fahren und so fanden wir uns um 8 Uhr Morgens in Wuppertal ein. Viel war nicht los, selbst der kleine Parkplatz an der Schule war fast leer. Drinnen erfuhren wir das sich erst zwei Leute vor uns angemeldet hatten. Ein trauriges Bild, genau wie das Wetter. Dazu kam das in Düsseldorf der Start der Tour de France war. Dort wollten wohl auch viele zum zuschauen hin. Ich fuhr lieber selbst.

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So machte ich mich und mein Koga Regen fest und Ralf und ich starteten auf die 112 km Runde. Er sagte vorher noch das er ganz gemütlich fahren wollte. Mir schwante nichts Gutes, kannte ich doch sein „gemütlich“ schon. So war es dann auch, an den ersten Steigungen fiel ich bereits zurück. Bei Regen fuhr ich eh immer noch etwas vorsichtiger wie sonst. Wir fuhren in einem Bogen zunächst nach Dönberg. Kurz danach kam ein paar Kilometer später schon die Streckenteilung für die 40er Runde. Wir nahmen natürlich die lange Runde.

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Weiter ging es nach Schraberg und Nächstebreck. Rauf und runter. Ralf hatte ich längst aus den Augen verloren. So fuhr ich mein Tempo und machte mich mit dem Koga vertraut. Reifen und Bremsen funktionierten erstaunlich gut bei Nässe, auch wenn die Bremshebel einen relativ langen Hebelweg hatten. Aber das war Gewohnheitssache und ich gewöhnte mich schnell daran. Die Bremsen waren trotzdem gut dosierbar.

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Selbst bei Regen war die Bergische Landschaft sehr schön und ich genoss die Fahrt, auch wenn langsam die ersten Wassertropfen ihren Weg in meine Regenklamotten fanden. Aber die Temperaturen waren mit ca. 15 Grad noch gut erträglich. Nach gut 34 km kam die erste Kontrolle in der Nähe von Sprockhövel. Hier wartete Ralf bereits eine Weile auf mich. Vor uns waren erst 2 Fahrer vorbei gekommen. Dafür wurde ich auf mein sehr helles Frontlicht angesprochen. Man wunderte sich das ein kleiner Scheinwerfer so hell sein konnte. So wurde ich wenigstens nicht übersehen bei dem Wetter. Weiter ging es dann über Nierenhof nach Kupferdreh, wo wir den Baldeneysee erreichten.

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Wo es sonst richtig voll war am Wochenende, war überhaupt nichts los. Und so hatten wir den Weg am See entlang fast für uns alleine.
Auch auf dem See war es fast leer. Keine Segelboote und nur sehr wenige Ruderer.

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In der Nähe von Fischlaken verließen wir den See dann leider wieder. Jetzt gab es wieder nur Wasser von oben. Es regnete mal stärker und dann mal wieder schwächer. Aber eine richtige Regenpause gab es nicht.

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Schließlich erreichten wir über eine Landstraße Velbert. Hier nahm der Autoverkehr naturgemäß wieder zu. Vorbei war es mit der Einsamkeit.
Am Anfang von Velbert kamen wir zu unserer zweiten Kontrolle. Hier trafen wir noch drei oder vier Fahrer die auf der kurzen 42 km Strecke waren und hier die einzige Kontrolle hatten. Während wir bereits 55 km Auf und Ab in den Beinen hatten, waren es bei ihnen deutlich weniger, da die kurze Strecke auf relativ direkten Wege nach Velbert führte, während wir in einem großen Bogen über Essen dorthin kamen. Nach der Verpflegung kamen wir zu der Streckenteilung für die 112 km Strecke, die uns auf eine Bahntrasse führte. Jetzt kam der angenehme Teil der Tour.

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Es war die Bahntrasse der Niederbergbahn. Diese Bahntrassen waren wie gemacht zum entspannten Radfahren. Vor allem gab es hier mal eine Weile keine größeren Steigungen. Entspannung pur. Und so schön leer. Kaum Fußgänger und Radfahrer und natürlich überhaupt keine Autos.

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Ab und zu ging es an alten Fabriken oder Wohngebieten vorbei. Brücken sorgten dafür das wir die Trasse nicht verlassen mussten.

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So erreichten wir Heiligenhaus, das wir auf der Trasse durchquerten. Das war eine Streckenführung nach meinem Geschmack. Zu sehen gab es auch so einiges am Streckenrand. Manches wies noch auf die ehemalige Nutzung als Bahnstrecke hin. Originell auch das Kult-Kaffee Rösterei in einem alten Güterbahnhof mit Güterwagon als Terrasse. Hier war leider gar nichts los und wir hatten auch nicht wirklich Zeit. Zu gerne hätte ich jetzt einen guten und schön heißen Kaffee getrunken.

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Nebenan stand noch ein alter Wagon in der Landschaft. Sitzbänke luden sicher bei schönem Wetter zu einer Pause ein.

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In Laupendahl verließen wir die Trasse dann über eine Rampe steil abwärts. Unten stand dann noch so ein blödes Drängelgitter. Während Ralf schob, vertraute ich zu Recht auf meine Cantileverbremsen die mich trotz der Feuchtigkeit langsam und sicher nach unten brachten. Hier wollte ich wirklich nicht hoch fahren müssen. Da war schieben keine Schande.

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Unten ging es dann durch einen engen Tunnel unter der Bahnstrecke durch. Jetzt kamen natürlich auch die Steigungen wieder. Wir passierten den südlichen Rand von Heiligenhaus und fuhren Richtung Flandersbach. Weiter führte der Weg nach Rohdenhaus. Ich verlor Ralf an den Steigungen wieder aus den Augen. Hier konnte ich einfach nicht mithalten.

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Trotzdem genoss ich die Strecke, wusste ich doch das ich gut in der Zeit lag. In Wülfrath kam ich an einer Schule vorbei, wo gerade ein Schülerlauf stattfand. Die Schule war das Ziel. Manche Kinder sprinteten noch geradezu, während andere schon sichtlich erschöpft wirkten. Das erinnerte mich an meine Schulzeit. Ein paar Kilometer weiter kam mir ein Junge entgegen gelaufen der offensichtlich von seinem Vater angetrieben wurde. Armer Junge, waren es doch noch einige Kilometer bis ins Ziel.

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Nicht so schön waren die Strecken entlang vielbefahrener Straßen, auch wenn sich das sicher teilweise nicht verhindern ließ.
In Düssel erwartete uns dann nach 87 km die 3. Kontrolle. Hier wartete Ralf wieder auf mich. Wir waren die Nummer 3 und 4 an der Kontrolle. Kurz darauf traf ein Fahrer ein der ein wenig mitgenommen wirkte. Wir erfuhren das er kurz vorher gestürzt war. Er tat mir echt leid, da ich nur zu gut wusste wie sich das anfühlte. Wir fuhren weiter und kamen kurz vor Schlupkothen wieder auf die Niederbergbahntrasse. Der gestürzte Fahrer hatte uns mittlerweile wieder überholt. ansonsten war es sehr einsam auf der Strecke. Die Trasse führte leider etwas bergauf und ich hatte nicht genug Kraft an Ralf dran zu bleiben. Aber ich sah ihn immer wieder in einiger Entfernung vor mir. Dann endete die Trasse für uns auf der Wülfrather Straße. Hier sah ich den Fahrer auf der anderen Straßenseite wieder. Obwohl die Strecke nach rechts führte, fuhr ich zu ihm rüber. Er wirkte völlig fertig und ich erfuhr das er schon wieder gestürzt war. Jetzt war er richtig angeschlagen und ich machte mir Sorgen. Ich bot ihm an Hilfe zu rufen damit er ins Ziel kam, aber er wollte nicht, obwohl er sichtlich starke Schmerzen hatte. Da ich ihn nicht überreden konnte Hilfe anzunehmen, fuhr ich mit einem schlechten Gefühl weiter und drehte mich öfters mal um, ob ich ihn sah. Ralf hatte ich bald ganz aus den Augen verloren, denn es ging wieder ordentlich berghoch. Aber die Kilometer bis zum Ziel würde ich auch noch alleine schaffen.

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Eine prunkvolle Moschee im Bergischen Land? Nein, der Turm gehört zu einem Haus welches vom Künstler Friedrich Hundertwasser entworfen wurde. Bei uns in Dortmund gibt es in Aplerbeck auch eines seiner Häuser.

Schließlich erreichte ich wieder Wuppertaler Stadtgebiet und bald darauf bog ich auf die Straße ein, wo die Schule sein musste. Leider gab es keine Pfeile und ich schaute wohl in der falschen Richtung nach der Schule. Am Ende der Straße dämmerte mir mein Fehler und ich kehrte um und fand die Schule dann auch mit mehr Aufmerksamkeit. Die Ausschilderung hätte da etwas besser sein können, war aber auf der Strecke ohne Fehl und Tadel. Der angeschlagene Fahrer war zu meiner Erleichterung auch gerade ins Ziel gekommen und wurde von den Vereinsmitgliedern direkt verarztet. Überhaupt hatte sich der Verein bei der Ausrichtung der RTF sehr viel Mühe gegeben und trotz des Wetters waren alle gut gelaunt. Wie ich erfuhr hatten nur 29 Radsportler an der RTF teilgenommen. Ein trauriger Rekord den Endspurt Wuppertal definitiv nicht verdient hatte. Es tat mir unendlich leid, wusste ich doch selber wieviel Arbeit hinter so einer RTF steckte. Ralf traf ich übrigens nicht im Ziel, er war schon weg. Er sah mich wohl vorbei fahren, als ich die Auffahrt zur Schule verpasste. Bis ich umgekehrt hatte, war er bereits auf den Weg zum Bahnhof. Ich machte noch eine Pause, gönnte mir Kaffee und Kuchen und unterhielt mich mit den Mitgliedern vom Verein. Trockengelegt und mit frischen Klamotten ging es für mich schließlich auch nach Hause.

Noch die Daten von der Tour: Es waren überraschenderweise nur 102 km mit 1300 Höhenmeter die ich mit einem Schnitt von knapp 20 km/h zurück legte. Mein Koga Miyata Traveller hatte seine Feuertaufe bei schlechtestem Wetter bestanden. Es warten nur noch Kleinigkeiten die ich ändern wollte. Unter anderem den Lenker etwas nach oben drehen und die Schutzbleche verlängern. Trotz des Wetters war ich froh das ich dort gefahren bin. Bei gutem Wetter können ja Alle.

Jennifer aka Sonne_Wolken

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