Fietselfstedentocht 2017

06.06.2017
Auch dieses Jahr wollte ich mit einer kleinen Gruppe wieder an dem beliebten Radmarathon in Friesland teilnehmen. Die Zahlen des größten Sportereignisses Frieslands sprechen für sich: 15.000 Teilnehmer und über hunderttausend Zuschauer an der 235 km langen Strecke durch die elf friesischen Städte. Die Tocht gibt es seit 1912, hat also Tradition. Ein echter Klassiker eben.
Für uns hieß die Startzeit um 5:32 Uhr sehr früh aufstehen. Wir das waren Welli, Toto, Agathe, Andy, Daniel, Marcus, Gino und ich. Treffpunkt war eine Tankstelle an einem der Kanäle in Bolsward. Nach dem Aufstehen Mitten in der Nacht um 3:15 Uhr beeilte ich mich, wenn man das geschlurfe mit fast geschlossenen Augen im Dunkeln so nennen konnte. So kamen Agathe, Andy, Daniel und ich auch erst kurz nach 4:30 Uhr vom Campingplatz in Workum weg. Ich natürlich mit einem Klassiker, meinem pink/lila farbenen 1989er Peugeot Cologne.
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Es war schon sehr schön wie es am Horizont langsam heller wurde und die Sonne durch die Wolkenlücken aufging. Es war noch etwas frisch. Da wir Rückenwind hatten fuhren wir recht flott und brauchten nur etwas über 30 Minuten für die 15 km zum Start nach Bolsward.
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An der Tankstelle trafen wir dann Welli, Marcus und Gino. Toto war schon unterwegs. Aber den holten wir sicher noch ein. Erst einmal hieß es aber Schlange stehen. Unsere Startgruppe um 5:32 erreichten wir nicht mehr, weil wir nicht durch das Gedränge kamen. Aber das machte nichts, wir kamen in die Gruppe um 5:40 Uhr. Da war man ziemlich locker was das angeht. Vom eigentlichen Startpunkt dem Rathaus waren es noch ca. 300 Meter bis wir wirklich starten konnten. Das ist nichts für Menschen mit Platzangst. Aber trotzdem ging es einigermaßen gesittet zu. Ein Moderator auf der Rathaustreppe hielt die Menge bei Laune.
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Gegen viertel vor sechs Uhr rollten wir dann endlich los. Juchhu!!!! Wir fuhren! Doch ich war immer noch viel zu müde um mich so zu begeistern. Ersteinmal den Kreislauf in Schwung bringen. Die endlose Schlage von Radfahrern bis zum Horizont war schon beeindruckend.
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Erstes Ziel sollte Harlingen sein. Der Himmel war zwar sehr bewölkt, aber wir waren guter Hoffnung das es trocken blieb. Unsere kleine Gruppe kam ganz gut voran. Mir war es aber Recht das wir etwas ruhiger anfingen als letztes Jahr, auch wenn ich deutlich stärker war. Nicht direkt alle Energie am Anfang verschwenden. Wir hatten bis Harlingen Rückenwind, was aber bedeutete das der zweite Teil der Schleife gegen den Wind gefahren wurde.
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Dann ging es durch Harlingen. Kurz stoppen und ein paar Meter schieben um sich den begehrten Stempel zu holen. Pause war nach so kurzer Zeit noch nicht nötig. Wir verabredeten das Einzelne aus der Gruppe ruhig mal vorfahren konnten, aber an dem nächsten Kontrollpunkt warten würden um die Gruppe einigermaßen zusammen zu halten. Das funktionierte dann ganz gut. Aber ich hielt mich noch zurück und blieb meistens hinten. Meine Zeit kam dann mit dem Gegenwind.
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Die Temperatur stieg langsam aber beständig. Ich entledigte mich schon mal meiner Armlinge. Nach Harlingen hatten wir dann zunächst Seitenwind. Ich ordnete mich dann weiter vorne an, um Windschutz zu bieten.
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Dann kam Franeker in Sicht. Nach nur 8 km die zweite Kontrolle. Hier wartete bereits Toto auf uns. Wir sammelten unsere Gruppe ein und machten Kaffeepause. In einer Scheune gab es leckeren selbstgemachten Apfelkuchen und frischen Kaffee. Einige von uns hatten noch nicht gefrühstückt.
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Danach ging es zu acht weiter zur Stempelkontrolle. Unser Toto musste gezwungenermaßen einen Helm tragen, aber fühlte sich sichtlich unwohl. Der Gesichtsausdruck erinnerte irgendwie an einen grimmigen tasmanischen Teufel aus einem Zeichentrickfilm.
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Nach der Kontrolle saßen wir wieder auf und weiter ging es. Da wir jetzt alle wach waren, wurde das Tempo etwas flotter.
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Holwerd war dann der nördlichste Punkt der Strecke. Es ging durch die schönen kleinen Gassen und wir holten uns einen weiteren Stempel. Ab hier war Gegenwind angesagt. Ich versuchte die anderen in meinem Windschatten mitzuziehen, aber das klappte nicht ganz so. Vor allem Agathe und Toto mit seinem MTB litten nun. Ich fand es in Unterlenkerhaltung gar nicht so schlimm. Aber ich war auch Sturm erprobt. Doch wir kamen alle weiter.
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Auch die Klappbrücke in Dokkum konnte uns nicht wirklich aufhalten. Ein Drittel der Stempel und mit ca. 80 km ein Drittel der Strecke hatten wir jetzt hinter uns. Das war doch schon mal ein guter Erfolg.
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Jetzt kam offene Landschaft. Gino und Welli waren mit einer schnelleren Gruppe weg und ich machte mich auf die Verfolgung um mal zu sehen was sie machten. Die meiste Zeit fuhr ich alleine im Wind, die Anderen fuhren entsprechend langsamer. Ich fuhr wie entfesselt. Das fahren gegen den Wind machte Spaß und ich schien noch reichlich Reserven zu haben. So holte ich mit 30 km/h Gruppe für Gruppe ein und erreichte schließlich Welli in einer anderen Gruppe. Ich schoss vorbei und machte weiter Jagd. Doch so sehr ich auch Gas gab musste ich schließlich einsehen das Gino weg war. Den sahen wir leider auch nicht wieder. Ich ließ mich wieder zurück fallen und von Welli und den Anderen einholen. Die kleine Jagd zwischendurch hatte richtig Spaß gemacht, zeigte sie mir doch wie stark ich geworden bin. Und gerade gegen den Wind konnte ich meine Masse und meine Kraft in die Waagschale werfen.
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Schließlich erreichten wir Leeuwarden. Hier hatten wir bereits 100 km auf dem Tacho. Sogar Handbiker waren auf der Strecke unterwegs. Alle Achtung!
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Während wir anhielten und die letzten 200 Meter schoben entdeckte ich die beiden Damen die auf niederländisch ein Lied sangen: „Dat is het Leven“. Das hätte auch gut in den Kölner Karneval gepasst. Genau wie der Aufzug der Mädels. Einfach nur cool und verrückt. Ich liebe die Niederländer. So etwas hebt ungemein die Laune und wir sangen fast mit.
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Nach den Stempeln fanden wir eine lauschige Wiese. Es war mittlerweile sonnig und schön warm und so entledigte ich mich auch meiner Beinlinge, während das Peugeot in der Sonne döste. Da es sowieso gerade Zeit für eine Mittagspause war, machten wir es uns gemütlich. Das Radlerleben konnte so schön sein. Kaffee gab es auch.
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Der schiefe Turm von Leeuwarden war leider nicht annähernd so berühmt wie der aus Pisa. Keine Ahnung warum das so war.
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Wir mussten dann aber weiter fahren. Nächste Station war wieder Bolsward. Das erreichten wir am Ende der ersten Schleife. Jetzt hatten wir bereits 138 km absolviert. Das hieß die zweite Schleife nach Süden war mit 97 km deutlich kürzer. Natürlich fing es wieder mit Gegenwind an. Aber wir hatten Hoffnung die letzten Kilometer bei Rückenwind zu fahren. Das war psychologisch ein echter Vorteil.
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Kurz darauf hatten wir trotz dem Wind Sneek erreicht. Wieder einen Stempel mehr und ein paar Kilometer weniger. Die Laune war gut, das Wetter auch.
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Nur einen Steinwurf weiter kam die nächste Kontrolle in Ijlst. Jetzt ging es wirklich Schlag auf Schlag. Gut für die die schon etwas kaputt waren, schlecht für mich, da kaum längere Strecken zum schnellen rollen da waren. Aber so war es jetzt auch einfacher die Gruppe zusammen zu halten.
Die Landschaft wurde jetzt abwechslungsreicher. Viele Städte, dann wieder Waldgebiete und offenes Feld.
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Kurz hinter dem nächsten Kontrollpunkt Oudemirdum kam dann der Wendepunkt wieder Richtung Norden und damit Rückenwind. Zumindest so halber Rückenwind. Es waren nur noch 47 km zu bewältigen. Dafür führte die Strecke jetzt am Ijsselmeer entlang und die ein oder andere Deichauffahrt wartete. Mit etwas Tempo und im Wiegetritt konnte man diese Rampen wunderbar erobern.
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Welli und ich fuhren jetzt meistens etwas weiter vorne. Irgendwie zog es uns jetzt magisch ins Ziel. Aber ab und zu ließ ich mich zurück fallen um nach den Anderen zu sehen. Nicht das uns jetzt noch Jemand schlapp machte. Das wäre schade gewesen. Aber es sah ganz gut aus, auch wenn nicht mehr alle vor Energie sprühten.
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In Stavoren dann noch mal eine Pause. Zur Stärkung bekamen wir Milch gereicht. Läppische 31 km trennten uns vom Ziel. Doch ich wusste nur zu gut wie es sich anfühlte wenn man nicht mehr so fit war. Da waren 31 km so viel wie 200. Doch dieses Pfingsten war ich fit. Ich hatte immer noch Reserven und fühlte mich gut. Ich hatte keinen Zweifel das wir alle ins Ziel kamen.
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Ein paar Kilometer weiter dann in Hindeloopen ein kleiner Stau an einer steilen Brücke. Trotz Querhölzer war es gar nicht so einfach da mit den Radschuhen drüber zu kommen. Dann wieder übers offene Land nach Workum, der letzten Station vor dem Ziel. Welli und ich gaben auf den paar Kilometern noch mal richtig Gas. Köter und seine Familie erwarteten uns bereits als Begrüßungskommando. Wir warteten bis alle eingetroffen waren und brachen zur letzten Etappe auf. Nur noch 12 km vom Zentrum Workums bis ins Ziel.
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Welli und ich fuhren locker unser Tempo. Andy und Daniel waren kurz vor uns, Agathe, Toto und Marcus nebst Freundin fuhren hinterher.
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Nach 20 Uhr trafen wir auf der Zielgeraden ein. Im Zielbereich war das Zelt wo man den letzten Stempel und die Medaille bekam. Wir sammelten uns nachdem alle erfolgreich eingetroffen waren zu einem Gruppenfoto.
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Da das Gruppenfoto nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war, nur eines von mir mit der Medaille. Und ja, es fiel mir noch leicht zu lächeln. Als Brevet wäre ich die Strecke am liebsten noch einmal in der Nacht gefahren.
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Hier noch einmal die Medaille in Groß. Jedes Jahr kommt eine anderer Stadt mit Wappen darauf. Letztes Jahr war es Stavoren, nächstes Jahr wird es Workum sein. Ich freue mich schon darauf.
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Wir verabschiedeten uns von Toto und Welli und fuhren zurück nach Workum, wo es Abends noch eine große Portion Nudeln gab.
Ich hängte noch ein paar Tage Urlaub dran, aber Köter und Andy und Daniel reisten am nächsten Morgen ab. Agathe blieb noch bis Mittwoch. Leider wurde das Wetter dann schlechter mit Regen und Windstärken bis zu 9. Aber mein Zelt hielt den Dauersturm aus. Ich hoffe das wir nächstes Jahr wieder so eine tolle Gruppe zusammen bekommen.
Noch die Daten der Tour: mit An- und Abfahrt waren es 265 km mit einem Schnitt von knapp 25 km/h. Da sind allerdings die Pausen und die Schiebepassagen nicht drin, sondern nur die reine Fahrtzeit.
Jennifer aka Sonne_Wolken
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