Einmal Münsterland bitte!

11.03.2017

Am zweiten Märzwochenende war es soweit. Meine erste richtige Fahrt mit dem Rennrad dieses Jahr. Und da ich den Hals nicht voll kriegen konnte, wählte ich dafür den 200 km Brevet in Münster. Na gut, der Termin fiel halt etwas ungünstig für mich. Über den Winter hatte ich versucht mich mit dem Mountainbike bei CTF fit zu halten. Da der Start bereits um 8 Uhr sein sollte, machte ich mich rechtzeitig auf den Weg nach Münster. Hier war schon einiges los. Eine Unzahl kettengetriebener Fahrzeuge standen auf dem Gelände. Hier war wirklich alles vertreten: Klappräder, Hollandräder, unzählige Rennräder vom Klassiker bis zum modernen Carbonrad, Liegeräder verschiedener Art und ein paar Velomobile.

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Nach der Anmeldung hieß es sich draußen versammeln und der Ansprache lauschen, die noch ein paar Informationen bot. Danach wurden wir in Gruppen eingeteilt und gingen im Abstand von einigen Minuten auf die Strecke. Ich fuhr mit der zweiten Gruppe um ca. 8:15 Uhr los.
Nach kurzer Zeit teilte sich die Gruppe aufgrund der verschiedenen Geschwindigkeiten. Ich fuhr da schon relativ weit hinten. Schnell merkte ich das ich gegenüber dem Vorjahr nicht so gut in Form war. Aber noch war ich guter Dinge.

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Die Route führte zunächst nach Horstmar und Steinfurt. Typisch münsterländische Landschaft. Es war mit ca. 3 Grad anfangs noch kühl, aber schon sonnig.

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Da ich nicht so viel Zeit verlieren wollte, machte ich die Fotos meistens während der Fahrt. Ein kurzer Griff in die Lenkertasche und die Kamera war betriebsbereit.

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Die Windräder sollten mich die ganze Tour über begleiten. Natürlich nicht die selben. Aber sie prägen mittlerweile doch die Landschaft des Münsterlandes wie früher die Windmühlen. Die Zeiten ändern sich, aber der Mensch arbeitet nun schon seit Jahrhunderten mit Windkraft. Manches ändert sich eben nicht. Nach 26 km fuhren wir in einer engen Schleife auf den Bahndamm des Radrings Münsterland, einer alten Bahntrasse zwischen Coesfeld und Rheine. Hier durften wir erst mal eine Frage zur Geheimkontrolle beantworten und eintragen. Die Bahnstrecke sollte uns dann bis nach Rheine führen.

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Der alte Bahnhof von St. Arnold dient als Café für die Radler auf der Trasse. Aber so früh am Vormittag war noch nichts los. Also fuhr ich weiter nach Rheine. Von hinten überholten mich immer mehr Gruppen und Einzelfahrer. Ich wurde nicht nur gefühlt etwas langsamer. Teilweise machte mir der eher leichte Gegenwind schon zu schaffen. Die ersten Durchhalteparolen gingen mir durch den Kopf. Und ich hatte noch richtig viel Weg vor mir. Aber noch war ich guter Dinge vor 20 Uhr im Ziel zu sein. In Rheine mussten wir uns einen Stempel mit Ortsnamen und Zeit holen. Ich kam zufällig mit einer kleinen Gruppe dort an, darunter auch ein Paar mit normalen Dahon Klapprädern. Die waren eine Gruppe hinter mir gestartet und recht flott unterwegs. Ich holte mir kurz nach 11 Uhr meinen Stempel beim Verkehrsverein in Rheine, der auf der Strecke lag. Dann quälte ich mich über unzählige Kreuzungen stadtauswärts. Jede Ampel war für Radfahrer auf rot und hatte lange Wartezeiten. Dafür herrschte viel Autoverkehr. Endlich ging es wieder raus aus der Stadt. In einem der Dörfer nahmen Jugendliche auf getunten Rollern Reißaus vor der Polizei. Das war wahrscheinlich der Höhepunkt der Woche. Sonst war nix los.

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An einem Wanderhäuschen machte ich eine erste kurze Pause. Noch lag ich ganz gut in der Zeit. Der Schnitt hatte sich bei etwas über 20 km/h eingependelt. Kurz drauf kamen zwei der zuletzt gestarteten Velomobile an mir vorbei gepfeilt. Die waren in der Ebene ganz schön flott.

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Wirklich durchaus faszinierende Fahrzeuge, auch wenn ich meine Rennräder bevorzuge. Von Rheine ging es nun Richtung Ochtrup. Die Sonne schien und es wurde wärmer. Die Temperaturen kletterten auf zweistellige Werte. Ich fuhr alleine weiter meine Runde. Viele Fahrer konnten nicht mehr hinter mir sein. Aber durch wenige und kurze Pausen würde ich trotzdem in der Zeit bleiben, hoffte ich.

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Die Felsenmühle bei Ochtrup ist ein beliebter Motorradtreff, aber Samstag Mittag war auch hier noch nicht viel los, trotz gutem Wetter.
Ich genoss auch lieber das Rauschen des Windes und das Singen der Vögel, als das Dröhnen der Motoren. Nur schnell ein Schnappschuss im vorbei fahren. In Ochtrup war dann wieder mehr Verkehr, aber ich kam schnell durch und verließ die Stadt dann gerne schnellstmöglich um die Einsamkeit der Landstraße zu genießen. Es herrschte relativ wenig Verkehr auf den kleinen Straßen außerhalb der Siedlungen.

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An einer schmalen asphaltierten Straße dann ein Beispiel für schöner Wohnen in einer Wanderhütte. Leider hatte ich nur Zeit für ein Foto und musste weiter. Sah aber echt gemütlich aus und lud eigentlich zu einer Pause ein. Aber ich sah meine Zielzeit gefährdet und machte mich wieder auf den Weg.

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Die nächste größere Ortschaft war Epe. Hier kam ich an der alten Baumwollspinnerei Germania vorbei. Die Gebäude um 1900 stehen unter Denkmalschutz. Ein Teil wurde wohl leider von einem Brand vor ein paar Jahren dahingerafft. Um die weitere Nutzung der Gebäude ist eine Diskussion entbrannt. Die beiden Germania-Türme sah ich jedenfalls schon von weitem. Ein interessantes Gelände. Ich verließ Epe und wurde kurz darauf von einer Vierer-Gruppe Liegeradfahrer überholt. Die fuhren relativ gemütlich, aber ich konnte ihrem Tempo nicht folgen.

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Galloway-Rinder auf der Weide sind im Münsterland kein alltäglicher Anblick. Deshalb nahm ich mir Zeit die Tiere mit den coolen Frisuren zu fotografieren. Die zweite offizielle Kontrolle in Alstätte erreichte ich kurz nach 14 Uhr. In einem Café traf ich die Liegeradfahrer und einen weiteren Fahrer wieder. Ich bestellte zwei Stücke Apfelkuchen und ein Kännchen Kaffee. Das sollte mit 20 Minuten meine längste Pause sein. 106 km standen auf meinem Tacho. Also gut die Hälfte der Strecke war geschafft. Hier holte ich mir noch den Stempel für die Kontrolle und fuhr zusammen mit den Liegeradfahrer los. Die entschwanden bald meinem Blick. Es hatte keinen Zweck dran zu bleiben, ich musste mir meine Kräfte gut einteilen. Auch 100 km waren kein Pappenstiel. Über Ottenstein führte mich der Track nun nach Süden. Langsam hatte ich zu kämpfen. Ich merkte das es knapp werden würde die Runde zu Ende zu fahren. Aber ich hatte zum Glück etwas Zeitreserve. Hinter mir dürfte zu diesem Zeitpunkt Niemand mehr gewesen sein. Ich erreichte Gescher am Nachmittag. Noch ca. 20 km bis Heiden, der letzten Kontrolle. Endlich gegen 17 Uhr erreichte ich nach 150 km Heiden und holte mir den ersehnten Stempel in einem Supermarkt. In der Bäckerei davor traf ich noch einen Fahrer, der gerade aufbrach. Ich beschloss eine kurze Pause zu machen und mir eine heiße Schokolade zu gönnen. Noch ca. gut 50 km sollten doch unter 3 Stunden zu schaffen sein, dachte ich optimistisch. Nach der Stärkung fuhr ich durch Reken und Maria Veen. Die Gegend kannte ich bereits durch einige RTF.

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Langsam fuhr ich in den Sonnenuntergang. Noch ein paar letzte Fotos, solange noch Gelegenheit war. Weiter über Rorup Richtung Nottuln.
Keine Zeit mehr für eine Pause obwohl ich merkte das ich langsamer wurde. Mir schwante das es mit 20 Uhr knapp werden würde. Aber eigentlich auch egal da Zielschluss erst um 21:30 Uhr war. Das würde ich wohl auf jeden Fall schaffen.

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Im Sonnenuntergang dann nochmal eine Windmühle auf einem Hügel. Weiter ging es bergauf. Wer denkt das das Münsterland ganz flach ist… Aber das schrieb ich wohl schon öfters.

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Dann war die Sonne weg und man sah den Mond. Irgendwie auch schön. Noch war etwas Restlicht vorhanden, aber ich fuhr natürlich längst mit Beleuchtung und Warnweste. Mein Navi hatte auch schon auf Nachtdisplay umgeschaltet. So kurbelte ich hinein in die Dunkelheit. Das Gefühl um jeden Kilometer kämpfen zu müssen nahm zu. Ich war bereits ziemlich fertig. Keine Spur von der Leichtigkeit mit der ich ein Jahr zuvor dem damals starken Gegenwind getrotzt hatte. Mir fehlte dieses Mal einfach die Kraft und auch etwas Ausdauer. Aber ich würde ins Ziel kommen. Das war gar keine Frage. Die Frage war nur wann, denn ich wurde deutlich langsamer und mein Schnitt sank. Alles Kopfsache, sagte ich mir. Also gingen alle mir bekannten Durchhalteparolen durch den Kopf. Gegen 208 km und gut 1000 Höhenmetern erreichte ich um 20:25 Uhr das Ziel in Münster. Ben, der Veranstalter war noch da und wollte gerade zumachen. Ich händigte ihm meine Karte aus und konnte noch auf Toilette gehen. Dann verabschiedeten wir uns und ich räumte das Rad ins Auto. Im benachbarten Supermarkt konnte ich mich mit Brötchen und vegetarischem Belag, nebst Getränken versorgen. Dann stand mir eine Stunde Heimfahrt mit dem Auto bevor.

Fazit: Die Strecke war gegenüber letztem Jahr etwas geändert, aber richtig schön. Das Wetter war super. Frühling wie er im Buche stand.
Ich war eigentlich noch nicht richtig fit, hatte gegenüber dem Vorjahr ein Defizit. Trotzdem kam ich rechtzeitig ins Ziel, auch wenn es vor allem zum Schluss echt hart war. Das hatte trotz des langsamen Tempos nichts mehr mit lockerem pedalieren zu tun. Für den 300er Brevet Anfang April muss ich noch deutlich fitter werden. Gegenüber dem Vorjahr war meine Durchnittsgeschwindigkeit um mehrere km/h niedriger. Das sind Welten. Mein gutes altes Peugeot von 1989 hat sich wieder hervorragend geschlagen. Kein einziger Defekt, keine Panne warf mich weiter zurück.
Ach ja, am Sonntag stand ich dann wieder früh auf um mit schweren Muskeln RTF in Dortmund zu fahren. Nur nicht zu sehr ausruhen. Immer am Ball bleiben.

Jennifer aka Sonne_Wolken

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