Wasserspiele

26.06.2016

Sonntag war ich mal wieder unterwegs. Dieses Mal sollte Wasser meinen Weg begleiten. Ein Fluss, ein See, ein Bach, zwei Kanäle, ein Hafen und ein Gewitter sorgten für reichlich Wasser auf meiner Tour. Statt mit einem meiner Klassiker fuhr ich die Strecke mit meinem hässlichen Entlein. Nicht wirklich ein Klassiker, sondern ursprünglich mal als normales Stadtrad gekauft, habe ich das Rad so verändert, das es zumindest eine Gemeinsamkeit mit meinen Klassikern hat, den Rennlenker. Einige Veränderungen sind noch geplant (Federung weg), aber aus dem hässlichen Entlein in „fröhlichem“ schwarz wird niemals ein schöner Schwan. Leider gab es das Rad damals nur in mattschwarz in meiner Rahmengröße.

Aber nun zur Tour. Gegen Mittag startete ich bei trockenem aber bewölktem Wetter in Dortmund und erlebte schon auf Phönix-West eine Überraschung. Hier fand ein Treffen klassischer Automobile statt. Nun bin ich nicht gerade Autofan, aber trotzdem weckte ein Gefährt uralte Kindheitserinnerungen.

Mein Vater besaß in den 60er Jahren einen hellblauen VW Kastenwagen T1. Ich kann mich noch erinnern wie ich vorne auf der durchgehenden Sitzbank zwischen meinen Eltern saß und durch die geteilte Frontscheibe schaute. Auch an das blecherne Geräusch des Boxermotors im Heck kann ich mich noch gut erinnern. Einige Erlebnisse bleiben einfach im Gedächtnis haften.

Von hier fuhr ich über die Trasse des feurigen Elias nach Phönix-Ost und über den Emscherweg weiter nach Aplerbeck. Hier wartete die nächste Überraschung auf mich.

Zwischen dem alten Rathaus und Haus Rodenberg machte sich ein mittelalterlicher Markt breit. Einige Stände mit schönen Gewändern erregten meine Aufmerksamkeit. Ich sah mich schon als Burgfräulein. Leider musste ich weiter, da noch einige Kilometer auf mich warteten. Die Sonne kam jetzt ab und zu durch und die Temperaturen ließen gerade so kurze Ärmel zu.

Über den Emscherweg erreichte ich schließlich den Emscherhof. Hier war sehr viel los. Leider waren die meisten Besucher mit der Blechkutsche angereist. Dabei ist die Gegend gerade mit dem Rad sehr reizvoll. So machte ich mich ohne Aufenthalt auf den Weg der Emscherkunst.
Unterwegs gab es Kunst ganz anderer Art zu sehen: Landschaft.

Danach erreichte ich den Phönixsee. Hier wurde es richtig voll. Als Naherholungsgebiet ist der neu angelegte See ein voller Erfolg.

Aber rudern statt Rad fahren? Ach nö. Ich fuhr lieber weiter.

Ein paar hundert Meter weiter dann die Hörder Burg. Wirklich viel ist nicht aus dem Mittelalter geblieben. Das meiste wurde im 19. Jahrhundert um oder neu gebaut. Schön ist sie trotzdem, unsere Burg mit dem Hörder Bach davor.

Nun fuhr ich über Schleichwege bis in die City. Dort stieß ich auf das Dortmunder U, den markanten Brauereiturm aus den 20er Jahren und eines der Wahrzeichen unserer Stadt. Hier wurde früher Dortmunder Union Bier gebraut.

Ein paar Kilometer entlang der Hauptstraße legte ich im Eiltempo zurück. Der Verkehr hielt sich am Sonntag zum Glück in Grenzen.
Schließlich erreichte ich wieder den Emscherweg Richtung Norden.

In Mengede erreichte ich die Überflutungsbecken die dafür sorgen sollen das die Emscher nichts überschwemmt.
Hier stieß ich auf ein Objekt das wie eine Raumkapsel oder ein U-Boot wirkte. Es soll sich um eine Vogelbeobachtungsstation handeln und zur Emscherkunst gehören.

So nüchtern wie es von außen wirkte, so überraschender war der Blick ins Innere.

Gemütlichkeit des 19. Jahrhunderts. Für mich wirkte das Ganze als wäre es einem Roman von Jules Verne („Von der Erde zum Mond“, „Reise zum Mittelpunkt der Erde“) entsprungen. Doch so bequem die Sessel und das Sofa auch wirkten, ich musste weiter.

Bei Mengede und vor allem dahinter ist die Emscher noch kanalisiert.

Aber auch in diesem Bereich wird die Emscher noch renaturiert. Der Mensch versucht das zu reparieren was er zerstört hat.

Kurz vor Henrichenburg wurde der Himmel richtig schwarz und ich geriet in ein Gewitter. Zum Glück waren die Blitze ein paar Kilometer weg und entfernten sich. Ich schaffte es gerade so meine Regenjacke anzuziehen, bevor ich komplett durchnässt war.

In Henrichenburg drehte ich dann ab und fuhr ein Stück am Rhein-Herne-Kanal entlang. An den Schleusen zum Dortmund-Ems-Kanal kehrte ich dann ein und ließ mir Bandnudeln mit frischen Pfifferlingen und ein alkoholfreies Bier schmecken. Frisch gestärkt und wieder mit etwas Sonne, machte ich mich nach dem Gewitter wieder auf den Weg. Zunächst führte dieser mich nach Waltrop.

Hier hält man die Zeit des Bergbaus immer noch in Erinnerung.

So fuhren die Kumpel früher zur Schicht und wieder nach Hause. Mein Großvater war Bergmann und hat viel aus dieser Zeit erzählt. Das Fahrrad war das Fahrzeug des „kleinen“ Mannes (und der Frau). Ein Auto konnte sich bis in die 50er Jahre kaum jemand leisten.

Zwischen Waltrop und Brambauer fuhr ich ein paar vielversprechende kleine Wege und Straßen, die mich jedoch im Kreis führten. Schön zu fahren waren sie trotzdem. Schließlich erreichte ich wieder den Dortmund-Ems-Kanal und fuhr bis zum Dortmunder Hafen.

Es soll sich um den größten Kanalhafen handeln. Dortmunds? NRWs? Deutschlands? Europas? Der Welt? Keine Ahnung. Halt ein großer Hafen. Und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Dortmund.

Von hier fuhr ich direkt in die City, vorbei am Dortmunder U und über Phönix-West Abends zurück nach Hause. Ab dem späten Nachmittag war es selbst für einen Sonntag sehr ruhig. Das lag wohl an der Europameisterschaft und der deutschen Mannschaft. Die beste Zeit um Rad zu fahren. Knapp 100 km waren ok für eine Halbtagestour. Und bis auf das Gewitter blieb ich auch trocken. Und was ich sonst noch sagen möchte? Wer noch nie mit dem Rad durchs Ruhrgebiet gefahren ist, sollte das unbedingt mal machen. Es lohnt sich.

Jennifer aka Sonne_Wolken

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