Die DoDu-Tour

02. und 03.07.2016

Einmal durchs Ruhrgebiet und zurück.
Am Wochenende fuhr ich mit meinem hässlichen Entlein und viel Gepäck (viel zu viel) von Dortmund nach Duisburg und Retour. Hintergrund war ein kleines Tourertreffen im Duisburger Süden.

Samstag

Nachdem ich meinen halben Hausstand eingepackt hatte, fuhr ich am späten Morgen zunächst zum Preussenhafen nach Lünen. Hier wartete ich auf meine beiden Mitfahrer Spike und Crossy, die aus Hamm anreisten. Da Crossy eigentlich aus dem hohen Norden kommt und den Pott noch so gar nicht kannte, war auch etwas Sightseeing angesagt.
Doch zunächst wartete ich eine ganze Weile. Ich vertrieb mir die Zeit damit einen Cowboy mit Graupapagei zu beobachten, der mit seinem alten Zelt und einer amerikanischen Flagge direkt auf einem Grünstreifen am Hafen campierte. Im Ruhrgebiet gibt es halt jede Menge ungewöhnliche Leute.


Zwischendurch zogen dann ziemlich dunkle Wolken auf und es tröpfelte ganz leicht.

Mit einer Stunde Verspätung trafen meine Mitfahrer dann doch noch ein und wir fuhren zunächst am Datteln-Hamm-Kanal entlang bis Waltrop. Da mittlerweile Mittagszeit war, kehrten wir dort in einer Pizzeria ein. Das Timing war perfekt da ein wolkenbruchartiger Regen losbrach, als wir gerade am speisen waren.

Nach Ende des Regens fuhren wir weiter bis zum Schleusenpark und dem Schiffshebewerk Henrichenburg. Hier gab es für unseren norddeutschen Gast jede Menge zu staunen. Aber auch ich bin immer wieder begeistert was unsere Vorfahren da so vor über 100 Jahren hingestellt haben. Da könnte man sich Heute wirklich mal eine Scheibe von abschneiden.

Nach entsprechender Würdigung der Bauwerke setzten wir unsere Fahrt am Rhein-Herne-Kanal fort. Schliesslich erreichten wir den Stadthafen Herne.

So verlockend die Liegestühle im Hintergrund auch waren, wir mussten weiter.

Kurz nach dem Hafen kamen wir zum alten Klärwerk mit seinem interessanten Faulturm.

Die Bilder auf dem Turm sind Mosaiken von einer Künstlerin. Die Motive passen natürlich genau ins Ruhrgebiet.

Entlang des Kanals passierten wir die Zoom Erlebniswelt Gelsenkirchen. Oder auf Deutsch, den Zoo. Kurze Zeit später kamen wir dann gegenüber dem Nordsternpark an einer Freiluftarena vorbei. Hier war schon am Nachmittag Disco.

Doch uns war nicht nach Disco. Rock´n´Roll war angesagt. Und den fanden wir auf der Piste. Denn als mehr konnte man den Weg unmöglich bezeichnen. Einmal versank ich mit meinem Hinterrad dermassen in einer scheinbar harmlosen Pfütze, das die Füsse schon im Wasser waren. Zum Glück hatte ich genug Schwung und es passierte nichts ausser nassen Füssen.

Aus der Zeit der Kulturhauptstadt Ruhrgebiet sind unter anderem noch einige überlebensgrosse Schilder mit Worten geblieben.

Dieses sollte ich auf jeden Fall beim nächsten Radaufbau berücksichtigen.

Wir wechselten nun zum Emscherweg und machten einen kurzen Stop am BernePark, einem stillgelegten Klärwerk. Hier kann man in schicken Betonröhren übernachten.

Das ganze erinnert mich irgendwie an den griechischen Philosophen Diogenes von Sinope der angeblich in einer Tonne übernachtet hat. Nur das die Betonröhren mit Doppelbett und Beleuchtung durchaus komfortabler sind.

Nach einer kurzen Pause kehren wir zurück zum Rhein-Herne-Kanal und erreichen schließlich das Gasometer in Oberhausen.

Immer wieder beeindruckend. Und das gilt auch für die interessanten Ausstellungen.


…..brauchten wir reichlich. Es war schon später Nachmittag und noch ein ganzes Stück bis in den Duisburger Süden.


Noch ein kurzer Fotostop an der Schleuse Oberhausen und dann mussten wir mal etwas Strecke machen. Bei Duisburg-Meiderich verließen wir den Kanal endgültig. Ab hier hatte ich ein Deja Vu mit meiner Kindheit. Duisburg ist meine Geburtsstadt und ich habe einen Teil meiner Kindheit in den 60ern und Anfang 70er Jahre dort verbracht. Mein rüstiger Großvater war mit uns Kindern praktisch überall unterwegs.

An der Wedau kamen wir an der Regattabahn vorbei.

Hier gingen wir früher oft spazieren.

Und dann natürlich ein Stop am Wedaustadion.

Ein Foto extra für meinen Opa. Der war glühender Fan des MSV (Meidericher Sport Verein). Er war schließlich in Meiderich geboren und stolz darauf. Hoffe er sieht das da oben.

Nach ein paar Kilometern kamen wir dann am Abend im Schrebergarten an, wo das Treffen statt fand. Wir waren die Letzten. Es gab einfach zu viel zu sehen. Mein Hunger hielt sich in Grenzen, da ich durch das schwere Gewicht von Rad und Gepäck doch recht erschöpft war. Trotzdem mundete die vegane Bolognese vorzüglich. Lange nach Mitternacht rollten wir unsere Schlafsäcke auf der überdachten Terrasse des Vereinsheims aus und schliefen schnell ein. Ein Tourtag im Ruhrgebiet ging zu Ende.

 

Sonntag

Nach einem ausführlichen gemeinsamen Frühstück im Schrebergarten in Duisburg wurde es für Spike, Crossy und mich Zeit uns auf den Rückweg zu machen und uns von den anderen zu verabschieden. Zunächst ging es vorbei am Biegerpark Richtung Rhein, wo uns eine Besonderheit erwartete. Tiger and Turtle ist eine Achterbahn für Fussgänger die auf einer alten Halde errichtet wurde. Einzig der Looping ist nicht begehbar, da wahrscheinlich die Schwerkraft über das Fussgängertempo siegen würde. 😉

Trotzdem ist das Bauwerk sehr beeindruckend und man sollte schon etwas schwindelfrei sein. Interessant wäre noch eine Variante fürs Rennrad. Vielleicht wäre dann auch der Looping befahrbar. 🙂

Hier oben erwartete uns dann auch der erste kurze Schauer des Tages. Also machten wir uns vorsichtig wieder auf die Abfahrt. Nun ging es zum Rhein und dann ein Stück abwärts durch Wanheimerort. Hier brach ein Gewitter los, das wir einigermassen in Deckung abwarteten. Über Hochfeld erreichten wir die City, die wir nur streiften um dann hinter dem Hafen erst die Ruhr und dann den Rhein-Herne-Kanal zu überqueren. Nach ein paar Kilometern erreichten wir den Landschaftspark Nord, ein altes Stahlwerk.

Hier konnten wir aus nächster Nähe rostiges Eisen bewundern. Das Stahlwerk muss man einfach mal erlebt haben. So viele Eindrücke industrieller Vergangenheit bekommt man sicher nicht all zu oft. Das rostige Gerät auf dem Foto diente übrigens zum Transport flüssigen Eisens. Ich finde es einfach nur schön.


Auf die Hochöfen kann man hoch steigen. Von da oben hat man eine grandiose Aussicht.
Wo früher Stahl gekocht wurde, wächst jetzt nach und nach wieder viel grün.


Auch die Klärbecken brauchen ihre Aufgaben nicht mehr zu erfüllen, sondern dienen jetzt als Feuchtbiotop. Natur und Technik. Hier ist es scheinbar im Einklang.

So viel es auch zu sehen gab, irgendwann mussten wir weiter. Vom Nordpark führt eine alte Bahntrasse, bekannt als grüner Pfad, bis nach Oberhausen in die Nähe des Centro. So erreichten wir bald wieder den Gasometer und damit den Rhein-Herne-Kanal. Dem folgten wir nach Osten. Nun hieß es etwas Tempo machen um noch abends nach Hause zu kommen. Auf einem holprigen Waldpfad dann ein hässliches „Pling“. Ich wusste sofort was es bedeutete. Eine Speiche war gebrochen. So war es dann auch. Ich verdrillte die kaputte Speiche mit der Nachbarspeiche und zog alle benachbarten Speichen etwas nach, damit sie den Job der gerissenen Speiche übernehmen konnten. Trotz schwerem Gepäck hielt das bis zu Hause. Hier rächte sich halt das ich das Hinterrad immer noch nicht neu eingespeicht hatte. Vor habe ich es schon seit Monaten, da sowohl die serienmäßige Felge als auch die Speichen nicht von bester Qualität sind.

Nach kurzer Zeit fuhren wir weiter. Da ich mich gut auskenne, fuhr ich die meiste Zeit vorne. Wir legten keine weiteren Stops ein, bis wir Herne-Crange erreichen. Hier pausierten wir dann doch noch einmal im Haus Crange, bzw. was davon übrig war.

Nur ein paar Grundmauern fanden wir noch von dem alten Schloss vor. Man hat es im Laufe der Jahrzehnte einfach verfallen lassen. Nach einer erholsamen Pause beschloss ich nicht weiter mit am Kanal zu fahren, sondern etwas abzukürzen und den direkten Weg von hier nach Dortmund zu fahren. Ich verabschiedete mich von meinen Begleitern und machte mich auf den Weg.

Schnell erreichte ich Herne und fuhr weiter Richtung Castrop-Rauxel. Die Strecke war zwar nicht mehr so schön grün, aber die Strassen waren wegen der EM relativ leer. Durch Castrop ging es wieder etwas ländlicher nach Kirchlinde. Vorbei am Revierpark Wischlingen erreichte ich die Dortmunder City. Hier fuhr ich auf Schleichwegen über kleine Straßen bis nach Hörde. Kurz nach 20 Uhr war ich dann zu Hause. Nach einer Dusche und einer kleinen Mahlzeit schlief ich dann recht schnell auf dem Sofa ein. Ein tolles Radwochenende ging zu Ende.

Das Wochenende zeigte mir auch was ich alles für zwei Tage unnötig mit schleppte. Für die nächste Wochenendtour werde ich das Gepäck drastisch reduzieren. Und dann werde ich auch sicher wieder mit einem der Stahlklassiker unterwegs sein.

Nachtrag: 180 km kamen am Wochenende zusammen. Selbst für mich kein Rekord, aber darum ging es ja auch nicht.

Jennifer aka Sonne_Wolken

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