Die Alte Fahrt

01.05.2014

Es ist der 1. Mai, der Tag der Arbeit. Und was mache ich? Ich arbeite mich mit dem Fahrrad ins Münsterland vor. Das Wetter ist herrlich.
In Dortmund gibt es einige Gewässer. Eines der bekanntesten ist sicher der Dortmund-Ems-Kanal, der 1899 eröffnet wurde und Dortmund einen eigenen Hafen bescherte.
Zwischen Datteln und Olfen wurde neben dem Kanal ein neueres, breiteres Verbindungsstück gebaut, sodass der alte Kanal stillgelegt wurde und heute als Alte Fahrt bezeichnet wird.
Genau dieses Stück reizt mich zu fahren, da es noch den ursprünglichen Kanal zeigt.
Da ich ja auch ein Ziel brauche, suche ich mir ein Stück weiter Lüdinghausen mit seinen Wasserburgen aus.

So geht es am 1. Mai, dem Tag der Arbeit morgens bei noch etwas diesigem Wetter los. Von Hörde fahre ich zunächst über die alte Bahntrasse an der Märkische Straße in die Innenstadt. Am Bahnhof vorbei geht es rechts über die Schützenstraße zum Fredenbaumpark und weiter zum Dortmunder Hafen.

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Hier handelt es sich immerhin um den größten Kanalhafen Europas. Schwer beeindruckt überquere ich die Weidenstraßenbrücke mit Blick auf den Hafen. Hinter der Brücke fahre ich in die Straße rechts, wo nach kurzer Zeit ein unscheinbarer Weg kurz bergauf direkt zum Kanal führt. Bitte nicht zu schwungvoll bergauf fahren, sonst landet man noch im Kanal.

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Nun geht es auf fest gestampften leicht schottrigem Weg am Kanal entlang. Nach einiger Zeit taucht auf der anderen Seite der Ruderclub Hansa auf. Er ist auch Leistungszentrum der deutschen Ruderer. Hier trainiert unter anderem der berühmte Deutschlandachter. Leider bekomme ich den Heute nicht zu Gesicht. Bei anderen Touren konnte ich aber schon bewundern wie elegant und schnell das Boot übers Wasser gleitet. Dafür sind zweier und vierer Boote auf dem Wasser.

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Ein Stück weiter kommt mir ein Frachtschiff, auf dem Weg zum Dortmunder Hafen entgegen. Gut das ich mit dem Fahrrad auf dem Damm fahre und nicht paddeln muss. Das würde ganz schön eng.

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Schließlich erreiche ich den Schleusenpark Waltrop, wo ich zunächst die Schleuse von 1912 durchfahre. Zum Glück enthält die kein Wasser mehr, sonst würde es ganz schön feucht. Dann mache ich natürlich noch einen Abstecher zum Schiffshebewerk Henrichenburg. Es ist immer wieder beeindruckend was die Ingenieure Ende des 19. Jahrhunderts dort gebaut haben.

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Weiter geht es über eine Stahlbrücke (Provinzialstraße) auf die andere Seite des Rhein-Herne-Kanals nach Datteln. Hier folge ich ein Stück der B 235, bis ich rechts in die Emscher-Lippe-Straße abbiege. Hier folge ich der Beschilderung des Dortmund-Ems-Kanal-Radweges, bis ich schließlich den Kanalknotenpunkt Dattelner Meer erreiche.

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Schließlich ist die Doppelschleuse Datteln in Sicht, die mit dem Rad überquert wird. Immer wieder begegnen mir große Gruppen von Jugendlichen mit Bollerwagen, Discomusik und anscheinend jeder Menge Alkohol, die den Tag der Arbeit auf ihre Art feiern. Sie sind zwar friedlich, aber es dauert immer ein bisschen bis man vorbei kommt.
Doch schließlich erreiche ich die Alte Fahrt. Hier fahre ich sicher den schönsten Teil der Tour. Der über 100 Jahre alte Kanal, der mittlerweile für die Schifffahrt gesperrt ist, zeigt hier seine ganze Schönheit und den Stand der Ingenieurskunst von damals. Eines der eindrucksvollsten Beispiele ist das Kanalviadukt über die Lippe. Da ist natürlich erst einmal eine Fotopause angesagt.

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Teilweise mutet die Fahrt am Kanal wie eine Reise durch ein verwunschenes Märchenland an. Nur noch der gerade Verlauf lässt erahnen das es sich um ein von Menschen geschaffenes Bauwerk handelt.

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Schließlich erreiche ich Olfen, welches auf dem Rückweg noch eine Rolle spielen wird.
Jetzt ist es gar nicht mehr so weit nach Lüdinghausen.

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Hinter Olfen muss ich mich von der Alten Fahrt verabschieden und der ausgebaute Teil des Kanals hat mich wieder. Doch nur für kurze Zeit, denn jetzt geht es weiter östlich ohne Sicht auf den Kanal weiter. Nach einer Umleitung gerate ich an einem Abzweig leider zu weit östlich. Doch dank Karte finde ich trotzdem einen Weg nach Lüdinghausen. Hier ist das Münsterland so wie man es sich vorstellt, Wiesen, Felder und scheinbar unendliche Weiten.

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Aufgrund meines Verfahrers erreiche ich Lüdinghausen zu weit östlich und muss erst einmal Richtung Westen fahren um zurück auf die Route zu finden. Ziel ist die Burg Vischering, die sicher zu den beeindruckendsten Wasserburgen im Münsterland gehört. Hier ist ordentlich was los, vor allem in der Gastronomie auf dem Burghof. Ich versorge mein stählernes Ross (ja gut, eigentlich ist es aus Aluminium) und beschließe die Burg mal genauer anzuschauen. Große Teile der Burg können als Museum besichtigt werden und man bekommt einen Einblick in die Geschichte der Burg und das Leben der Bewohner. Ich stehe in einem der Erker mit Blick auf den Burghof und träume kurz von dem Leben als Burgfräulein. Leider ist kein Ritter in Sicht, der mich besuchen kommt.

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Also schnell zurück in die Gegenwart und geschaut was die Küche früher so hergab. Man ließ es sich schon gut gehen, zumindest als Burgherrschaft. Das gemeine Gesindel hatte es da sicher schwerer. Da mich jetzt doch der Hunger packt, und der Burghof immer noch keinen freien Platz bietet, beschließe ich mich auf den Rückweg zu machen und in Olfen eine Rast einzulegen.

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Bevor ich Lüdinghausen verlasse, mache ich noch einen Abstecher zur Wasserburg Lüdinghausen. Diese wird von der VHS und als Konzertsaal genutzt. Leider kann man sie nicht besichtigen und so begnüge ich mich mit ein paar Fotos und radele dann weiter nach Olfen. Da ich nicht wieder den ganzen Bollerwagen-Gruppen begegnen möchte, radele ich die B 235 entlang, auf der heute nicht viel Verkehr herrscht.

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In Olfen steuere ich den Marktplatz an und lasse mich draußen vor einem italienischen Restaurant nieder. Ein alkoholfreies Weizenbier und ein Pastaauflauf tun Leib und Seele gut. Nach der Stärkung fahre ich mit frischen Kräften über Datteln, Waltrop und Brambauer zurück nach Dortmund.

Zu Hause angekommen versorge ich zunächst mein Rad und dann mich selbst, um dann ganz relaxt mein Fazit zu ziehen. Die Alte Fahrt erfüllte genau die Erwartungen die ich nach Lektüre einiger Reisebeschreibungen hatte. Eine sehr schöne, geradezu romantische Strecke, an die ich mich gerne erinnere. Auch die Fahrt durch die Weiten des Münsterlandes ruft immer noch Begeisterung in mir hervor. Kein Wunder das das Münsterland unter Radlern so beliebt ist.

Noch etwas zu den nüchternen Fakten.Die gefahrene Strecke betrug 108 km mit einem Schnitt von 18,1 km/h.

Jennifer aka Sonne_Wolken

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